Manipulation von Tachometern ADAC wirft Autoherstellern Beihilfe zum Tacho-Betrug vor

Nach Aussage des ADAC unternehmen die Autobauer zu wenig gegen Tacho-Manipulation bei Gebrauchtwagen. Leidtragende seien die Verbraucher. Die Autohersteller wehren sich gegen den Vorwurf und stellen Lösungen vor. Kunden können vermeintliche Tacho-Manipulationen allerdings kaum erkennen.

Der ADAC sagt: Rund 30 Prozent der Tachometer in den Gebrauchtwagen seien manipuliert. Die Automobilindustrie hält das für zu hoch und wehrt sich gegen den Vorwurf der Beihilfe zum Tacho-Betrug. - © Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Es dauert rund drei Sekunden. Dann kann der 6.000 Euro teure Gebrauchtwagen für das Doppelte verkauft werden. Mit einem Gerät, das jeder online kaufen kann, lässt sich der Tachostand von Gebrauchtwagen zurückstellen. Das Ganze ist ein lukratives Geschäft. Laut ADAC beläuft sich der jährliche Schaden auf sechs Milliarden Euro.

30 Prozent der Gebrauchtwagen seien manipuliert. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) halten die Angaben für zu hoch und gehen von maximal zehn Prozent aus.

"Wir wissen jetzt, dass die Industrie definitiv zu wenig tut, um den Tachobetrug zu erschweren", sagt Thomas Burkhardt, ADAC-Vizepräsident für Technik. "Wenn man es überspitzt sagt, könnt man sagen, dass die Hersteller sich zu Helfern machen lassen." Der Automobilclub beruft sich im Zuge seiner Vorwürfe auf eine Studie der Universität Magdeburg.

Die Folgen der Tacho-Manipulation können verheerend sein. "Autos mit zurückgedrehtem Kilometerstand sind womöglich nicht ihrem wahren Verschleiß entsprechend gewartet", warnt Carsten Reinkemeyer vom Allianz Zentrum für Technik (AZT). Für die Wartungsintervalle seien vorrangig kilometerabhängige Verschleißgrenzen maßgeblich.

Anzeichen auf Manipulation erkennbar

"Wenn sicherheitsrelevante Arbeiten wie der Wechsel der Bremsflüssigkeit nicht rechtzeitig erledigt werden, weil laut dem gefälschten Kilometerstand noch Zeit dafür bleibt, könnte Technikversagen zu einem Unfall führen." Auch seien schwere Schäden am Fahrzeug denkbar, weil etwa ein überalterter Zahnriemen reißt.

"Für Laien ist es kaum möglich zu erkennen, ob der Kilometerstand eines Autos manipuliert wurde", sagt Reinkemeyer. "Um Anzeichen dafür zu finden, müssen sie schon Detektiv spielen." So könnte eine auffallend stark verschlissene Innenausstattung eines Wagens trotz vermeintlich geringer Laufleistung auf eine Tacho-Manipulation hindeuten. Womöglich geben auch Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum Hinweise darauf.

Geschützter Bereich vorhanden

Der VDA weist die Vorwürfe des ADAC zurück. "Die Hersteller haben großes Interesse daran, die Hürden für den Betrug möglichst hoch zu legen. Autos, die schwer zu manipulieren sind, überzeugten die Kunden - und nutzten damit Autofahrer und Industrie", sagt Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer Technik und Umwelt des VDA.

Laut VDA werden bereits Systeme entwickelt, die erheblich höheren Sicherheitsanforderungen genügen So gebe es etwa einen geschützten Bereich auf den Chips im Auto, wo Informationen fälschungssicher gespeichert werden könnten. "Es bleibt jedem Hersteller selbst überlassen, ob er den Kilometerstand in einem solchen geschützten Bereich ablegen wird", erläutert Eschborn weiter.

Betrug ist kein Kavaliersdelikt

Die Manipulation von Tachos ist laut ADAC seit August 2005 gesetzlich verboten. Im Straßenverkehrsgesetz regelt Paragraf 22 b diesen Fall. Danach wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wer "die Messung eines Wegstreckenzählers (...) verfälscht".

Strafbar macht sich auch, wer "Computerprogramme, deren Zweck die Begehung einer solchen Tat ist, herstellt oder sich oder einem anderen verschafft, feilhält oder einem anderen überlässt". Werbung für Tacho-Manipulationen in Zeitungen und im Internet ist ebenfalls verboten. Das Verbot wird aber laut ADAC oft unterlaufen.

Gebrauchtwagenkauf in Meisterbetrieb abwickeln

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) rät Käufern  den Gebrauchtwagenkauf in einem Meisterbetrieb des Kfz-Gewerbes abzuwickeln. Der Kilometerstand des Fahrzeugs ist in mehreren Steuergeräten (z.B. Motorsteuergerät) abgelegt.

Den Experten in den Kfz-Betrieben ist es in der Regel möglich, auch über diese Steuergeräte nachzuvollziehen, ob der im Tachometer erfasste Kilometerstand mit den in anderen Steuergeräten hinterlegten Kilometerständen übereinstimmt. Dies ist eine von den Fahrzeugherstellern geschaffene Möglichkeit, um Manipulationen aufzudecken. dhz/dpa