Gelbe Engel – gelbe Werkstätten: Der ADAC will in den kommenden Jahren ein eigenes Werkstattnetz aufbauen. Die Art und Weise wie der Club großen Kfz-Ketten Konkurrenz machen möchte, macht einige stutzig. Der Zentralverband Kfz-Gewerbe fürchtet den neuen Mitbewerber trotzdem nicht.

Der ADAC will ATU Konkurrenz machen und ein eigenes Werkstattnetz aufbauen. In diesem Jahr möchte der Autoclub bereits zehn bis fünfzehn Betriebe unter Vertrag nehmen. Bis 2021 sind 120 bis 150 sogenannte "Pluspartner" in ganz Deutschland geplant.
ADAC-Mitglieder sollen bei diesen Werkstätten Vorteile auf verschiedene Leistungen bekommen. So soll es zehn Prozent Nachlass auf den Stundenlohn geben, so dass Mitglieder in der Gesamtrechnung rund fünf Prozent besser wegkommen. Die Werkstätten sollen ihre Preise jedoch selbst bestimmen können. Laut Berichten der Bild-Zeitung sollten die Preise für eine Werkstattstunde jedoch "mindestens 10 Prozent günstiger als der örtliche Durchschnittspreis sein, aber 10 Prozent teurer als beim Mitbewerber "A.T.U".
Bonus-Malus-System für Werkstätten
Dem gleichen Zeitungsbericht zufolge rechnet der Club damit, dass der "große Vertrauensvorschuss" den der ADAC genieße, künftig die Kunden in die ADAC-Werkstätten bringt. "Kostenvoranschläge werden in der Regel aufgrund des großen Vertrauensvorschusses für den ADAC nicht hinterfragt", heißt es angeblich in einer internen Präsentation des ADAC.
Werkstätten sollen zudem dazu gezwungen werden, ein bestimmtes Volumen an Ersatzteilen über den ADAC zu bestellen. "Wenn die vereinbarten Regelungen nicht erfüllt oder übererfüllt werden, gibt es ein entsprechendes Bonus- Malus-System", erläutert Katja Legner vom ADAC. Es gehe dem Club bei diesen Regelungen weniger um den Verdienst, als darum, eine gewisse Qualität sicherzustellen. Für eine Auskunft darüber, wie genau dieses System aussehen wird und ob Betrieben – wie von Bild berichtet – tatsächlich Vertragsstrafen drohen, war der ADAC nicht zu sprechen.
Kfz-Verband: Keine Gefahr für Betriebe
Dass die Konkurrenz durch den ADAC andere Kfz-Werkstätten in die Bredouille bringen könnte, befürchtet der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) nicht. "Ein gut geführter Meisterbetrieb mit zufriedenen Stammkunden muss sich vor solchen Werkstätten garantiert nicht fürchten", sagt Ulrich Köster vom Verband. "Die Affäre um den 'Gelben Engel' hat den ADAC massiv erschüttert. Es bedarf sicher großer Anstrengungen, das Vertrauen der Mitglieder und der Öffentlichkeit zurückzugewinnen", erläutert der ZDK-Sprecher. Insofern relativiere sich das Thema "Vertrauensvorschuss".
Ob die ADAC-Werkstätten qualitativ besser oder schlechter arbeiten als andere Kfz-Betriebe, muss sich erst noch zeigen. "Angesichts seiner zunehmenden Aktivitäten auf dem Werkstattmarkt kann der ADAC jedoch nicht mehr glaubwürdig andere Werkstätten – also seine Konkurrenten – testen", so Köster. sch/cle