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Euro-5-Motoren werden mit SCR-Filter deutlich sauberer ADAC-Abgastest: Aufatmen im Dieseldunst

Der Abgasausstoß von Fahrzeugen mit Dieselmotoren der Schadstoffklasse Euro 5 kann durch technische Nachrüstungen deutlich verringert werden, wie eine Studie belegt.

Der ADAC und das baden-württembergische Verkehrsministerium haben am 20. Februar die Ergebnisse einer Testreihe vorgestellt, wonach sich die Emissionen von Stickoxiden (NOx) im Stadtverkehr selbst unter ungünstigen Bedingungen auf rund die Hälfte reduzieren ließen. Im Idealfall sogar um mehr als 70 Prozent.

Für den Test hat der ADAC vergangenen September je zwei gebrauchte Pkw (Mercedes B-Klasse/Opel Astra) und Transporter (VW T5 Multivan/Fiat Ducato) mit Laufleistungen zwischen 20.000 und 95.000 km sowie unterschiedlichen Hubräumen mit SCR-Technologie nachrüsten lassen. „Die Transporter wurden ausgewählt, um auch den typischen innerstädtischen Liefer- und Handwerkerverkehr abzubilden“, erklärt Thomas Krasser, Vorstand Technik und Umwelt beim ADAC Württemberg.

Technik von vier Umrüstern

Die Abgasreinigungsanlagen wurden von vier Umrüstern (Dr. Pley, HJS, Oberland-Mangold und Twin-Tec) eingebaut. Davor und danach hat der ADAC in seinem Technikzentrum in Landsberg am Lech das Abgasverhalten der Fahrzeuge sowohl auf dem Prüfstand nach WLTC-Zyklus als auch auf der Straße nach RDE-Standard gemessen.

Abgas-Test

Wie der ADAC mitteilt, wurden die gesetzlichen NOx-Grenzwerte von den Serienfahrzeugen ohne SCR-Technologie zum Teil dramatisch überschritten. Nach Einbau der Abgasreinigung habe sich die hohe Wirksamkeit der SCR-Prototypen gezeigt. Auf dem Prüfstand seien bei Kaltstart Abgasreduktionen zwischen 44 und 61 Prozent gemessen worden. Nach Erreichen der Betriebstemperatur hätten alle vier Systeme mehr als 70 Prozent erreicht.

Das habe sich auch im realen Fahrbetrieb sogar bei Außentemperaturen von rund vier Grad Celsius bestätigt. Für ADAC-Testchef Reinhard Kolke ein Beleg dafür, welch Potenzial in der SCR-Technologie steckt.

Bei der selektiven katalytischen Reduktion (SCR) reagieren Stickoxide mit Ammoniak zu Wasser und Stickstoff. In Dieselmotoren wird das Ammoniak aus einer wässrigen Harnstofflösung gewonnen, dem sogenannten Ad-Blue, das in einem zusätzlichen Tank mitgeführt werden muss.

Umbaukosten bis 3.300 Euro

Die Kosten für die Umrüstung beziffert der ADAC abhängig vom Anbieter auf 1.400 bis 3.300 Euro. Wer dafür aufkommen könnte, ist umstritten. „Der Verbraucher kann erwarten, dass die Industrie die Verantwortung für die Produkte übernimmt, die sie unter dem Siegel der Umweltverträglichkeit verkauft hat“, so Dieter Roßkopf, Vorstandsvorsitzender des ADAC Württemberg, bei der Pressekonferenz zu den Testergebnissen.

Doch auch der Verbraucher muss blechen. Denn durch die SCR-Nachrüstung steigt der Dieselverbrauch um ein bis sechs Prozent, verbunden mit höheren CO2-Emissionen. Hinzu kommt der Verbrauch von Ad-Blue, der zwischen 1,5 und 2,8 l/1.000 km liegt.

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