Kommentar Abwrackprämie: Viel Schrott

Die Abwrackprämie sollte die Autoproduktion ankurbeln. Das hat sie neuesten Zahlen zufolge auch geschafft. Doch der Boom lässt nach und schon stellt sich heraus: Bei der Abwrackprämie hat man zu kurz gedacht. Kommentar von Patrick Choinowski

2.500 Euro für ein Altauto - in Deutschland sorgte die Abwrackprämie für einen Boom, der allerdings nur kurzfristig war. Foto: ddp

Abwrackprämie: Viel Schrott

Der Boom schien keine Grenzen zu kennen: 2.500 Euro Prämie vom Staat, wenn man sein altes Auto verschrottet und ein neues oder einen Jahreswagen kauft. Kaum hatte die Bundesregierung Ende Januar die sogenannte staatliche Umweltprämie für Altautos beschlossen, strömten willige Käufer in die Autohäuser. Man musste sich schließlich beeilen, weil ja nur Geld für 600.000 Neufahrzeuge zur Verfügung gestellt wurde. Das für die Abwrackprämie zuständige Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA) kam der Antragsflut gar nicht mehr hinterher. Und auch, als die Prämie von der Regierung bis zum Jahresende und mit einem Gesamtbudget auf 5 Milliarden Euro erweitert wurde, schien der Boom anzuhalten. Der Regierung – besonders der Initiator SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier – feierte sich für die grandiose Idee. Steinmeier wird auch nicht müde, in jedem Fernsehinterview die Relevanz der Abwrackprämie zu betonen.

Die neuesten Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) scheinen dies zu belegen. Mit 427.000 Pkw wurden im Mai über 40 Prozent mehr neu zugelassen als im Vorjahresmonat. Auch über das erste halbe Jahr verzeichnet der Inlandsmarkt einen Anstieg von knapp 26 Prozent auf 2,06 Millionen. Ein tolles Instrument also, das die Regierung geschaffen hat!

Wirklich? Wird die Abwrackprämie die deutsche Autoproduktion nachhaltig ankurbeln? Nein, mitnichten. Schon bis zum Jahresende erwartet der VDA Rückgänge in der Produktion. Für das nächste Jahr droht ein heftiger Einbruch und ein Fall ins Bodenlose. Die Abwrackprämie wirkte nur als kurzfristiges Instrument und hat die Krise auf dem Automarkt verschleppt. Sie hinterließ nur viel Schrott. Mal ganz abgesehen davon, dass die deutschen Hersteller wie BMW, Audi oder Mercedes-Benz sowieso nicht von der staatlichen Unterstützung profitierten. Und für die freien Werkstätten kommt noch das böse Erwachen. Sie leben von der Reparatur alter Autos. Doch deren Zahl ist aufgrund der Prämie drastisch gesunken.

Die Abwrackprämie ist ein perfektes Beispiel für die Politik des neuen Jahrtausends: Man reagiert nur kurzfristig. Hauptsache die Maßnahmen sind populär und bringen möglichst viel Zustimmung in der Bevölkerung. Das hat die Abwrackprämie geschafft. Bis zur Bundestagswahl im September dürfte der Effekt allerdings verpufft sein. Denn bis dahin wird sich die Krise auch auf dem Automarkt immer mehr ausbreiten.