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Leistungsverzeichnisse und andere Betrugsmaschen Abofalle für Handwerksbetriebe: So reagieren Sie richtig

Daten überprüfen und bei Annahme zurücksenden – mit dieser Bitte treten derzeit vermehrt Anbieter an Handwerksbetriebe heran. Was erst auf den zweiten Blick deutlich wird: Wer auf das Schreiben antwortet, schließt einen teuren Vertrag ab. Es ist nicht die einzige Betrugsmasche, vor der Handwerkskammern aktuell warnen.

1.475 Euro für den Eintrag in ein Leistungsverzeichnis, das überhaupt nicht existiert. Mehrere Handwerkskammern warnen derzeit vor Schreiben, die Handwerksbetriebe in eine teure Abofalle locken sollen. Die Masche ist meist dieselbe: Betriebe erhalten per Post oder Fax ein Schriftstück, auf dem der Empfänger gebeten wird, die angegebenen Firmendaten zu prüfen und das Dokument anschließend zurückzusenden. Was bei flüchtigem Hinsehen nicht klar wird: Wer den vermeintlichen Korrekturbogen zurückschickt, schließt damit einen teuren Zwei-Jahres-Vertrag ab.

Handwerksbetriebe sind die "leichteren" Opfer

Für Rechtsanwalt Holger Scheiding ein Fall von arglistiger Täuschung und Betrug. Weder der Vertragsschluss sei auf den ersten Blick deutlich zu erkennen, noch ist das angepriesene "Leistungsverzeichnis für das Deutsche Handwerk" online zu finden. Der Rechtsberater der Handwerkskammer München und Oberbayern schätzt, dass entsprechende Schreiben tausendfach an Unternehmen verschickt werden, bevorzugt an kleine. Der Grund: Da gerade Handwerksbetriebe häufig unter Zeitdruck stehen, stellen sie leichtere Beute dar. Zudem besitzen Gewerbetreibende im Gegensatz zu Privatpersonen kein Widerrufsrecht.

"Wenn nur ein paar Einzelne bezahlen, haben die Betrüger schon gutes Geld verdient", weiß Scheiding. Deutschlandweit schätzt er die Zahl der Anbieter, die mit ähnlichen Methoden arbeiten, auf zwei- bis dreihundert. Gerade bei Schreiben von "Online-Verzeichnissen" sei Skepsis angebracht, wobei es freilich auch seriöse Anbieter gebe. Um diese von zwielichtigen Firmen unterscheiden zu können, sei ein Blick auf die Fußzeile sinnvoll. Handelt es sich wirklich um eine Behörde? Sind der Firmensitz und die Kontoverbindung stimmig? "Wenn der Anbieter seinen Firmensitz in Ländern wie Gibraltar hat oder eine ausländische Kontoverbindung angegeben ist, sollte man stutzig werden", rät der Rechtsanwalt.

Im aktuellen Fall sei das Schreiben besonders "plump" aufgemacht, so Scheiding. "Im Gegensatz zu vielen anderen Formulartäuschern ist nicht einmal eine Adresse angegeben." Ein klares Indiz, das an dem Angebot etwas faul ist, sagt der Rechtsanwalt. Generell lautet sein Rat: "Wenn auch nur der Hauch eines Zweifels besteht, dann besser bei der Rechtsberatung der Kammer oder Innung anrufen."

Schreiben erhalten: So reagieren Betriebe richtig

Auch wenn die Rechtslage klar scheint, warnt Scheiding betroffene Betriebe davor, untätig zu bleiben. Das gilt insbesondere dann, wenn das Schreiben unterschrieben zurückgeschickt wurde. Die Sache auszusitzen und die Zahlung zu verweigern, sei nicht zwingend ausreichend. "Ich glaube zwar nicht, dass diese Leute vor Gericht gehen würden, aber wenn sie es tun, ist nicht gänzlich auszuschließen, dass der Richter der Gegenseite Recht gibt", erklärt Scheiding.

Betriebe sollten daher aktiv zur Staatsanwaltschaft oder Polizei gehen und Strafantrag wegen versuchtem Betrug stellen. Gleichzeitig rät er Betrieben, den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anzufechten und auch die Handwerkskammer in Kenntnis zu setzen. Diese könne die Angelegenheit dann an die Wettbewerbszentrale weiterleiten. "Wenn sich jemand als Leistungsverzeichnis für das Deutsche Handwerk ausgibt und ohne Nähe zum Handwerk mit Handwerkszeichen wirbt, ist das eine Irreführung – und somit wettbewerbs- und vertragsrechtlich angreifbar", sagt Scheiding.  

Hat der Betrieb den Forderungen nachgegeben und bezahlt, seien im Prinzip dieselben Schritte notwendig. Nur müsse dann Strafantrag wegen vollendetem Betrug gestellt werden. Allzu große Hoffnungen, das Geld zurückzubekommen, dürften sich die Opfer in den meisten Fällen aber nicht machen, meint Scheiding. Um sich diesen Ärger zu ersparen, sollten Betriebe entsprechende Schreiben am besten direkt nach dem Öffnen in den Müll stecken. "Oder, wenn man den Kollegen etwas Gutes tun möchte, zur Polizei gehen und die Handwerkskammer informieren", empfiehlt Scheiding.

Achtung: Auch diese Betrugsmaschen sind derzeit im Umlauf

Es ist nicht die einzige Masche, mit der Kriminelle derzeit ihr Glück bei Handwerksbetrieben versuchen. So berichtet etwa die Handwerkskammer Region Stuttgart über E-Mails, in der sich Betrüger als Mitarbeiter der Kammer ausgeben und um Zusendung einer Rechnung bitten. Die Empfänger sollen hierzu auf einen Link klicken. Die Handwerkskammer warnt:  "Klicken Sie diesen Link auf keinen Fall an – Sie könnten sich dabei automatisch Schadsoftware herunterladen."

Mit ähnlichen Tricks arbeiten auch die Hacker rund um den sogenannten Emotet-Virus, der seit Monaten im Umlauf ist und gezielt Unternehmen ins Visier nimmt. In ihren E-Mails verweisen die Kriminellen auf eine angehängte Datei, die oftmals als Rechnung oder Bewerbung getarnt ist. Wird die Datei geöffnet und zugestimmt, Makrofunktionen zu aktivieren, installiert sich der Virus auf dem Rechner. Die Finte ist erfolgreich, auch weil sich die Betrüger im Absender häufig als Personen ausgeben, mit denen der Empfänger bereits Kontakt hatte, etwa mit Kunden oder Geschäftspartnern.

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