Fotoserie "Abgetankt": Alte Tankstellen neu genutzt

Alt trifft neu: Fotograf Joachim Gies hat alte Tankstellenhäuschen aus den fünfziger und sechziger Jahren fotografiert und daraus den Bildband "Abgetankt" gemacht. Viele der Gebäude werden heute anderweitig genutzt – und bieten Obdach für einiges, was man so nicht erwartet hätte.

Mirabell Schmidt

61 Fotografien von alten Tankstellen schafften es in den Bildband "Abgetankt" von Joachim Gies. - © Foto: Joachim Gies

Er hat Graupapagei Werner kennengelernt, ist auf einen "Currywurst-Drive-in" gestoßen und hat in vergangene Zeiten geblickt. Der Fotograf Joachim Gies hat sich in seinem Projekt "Abgetankt" auf Spurensuche begeben – die dabei entstandenen Fotos, die nun in einem Bildband erschienen sind, zeigen den Zustand ausgedienter Tankstellen im Ruhrgebiet.

Begonnen hat alles mit einer alten Tankstelle in Köln, die ihm eher zufällig aufgefallen war. "Dann habe ich angefangen über die Geschichte von Tankstellen zu recherchieren und habe zum Beispiel herausgefunden, dass die erste Tankstelle eigentlich eine Apotheke war", erzählt Gies. Sein Interesse war geweckt. "Mich hat die Architektur der fünfziger und sechziger Jahre extrem fasziniert und die vielfältige Umnutzung der Gebäude heute beeindruckt", sagt der Fotograf.

300 Tankstellen fotografiert

Fast 13.000 Kilometer legte Gies für seine Fotos zurück – alleine im südlichen Nordrhein-Westfalen. Anhand von Adressbüchern von vor der Ölkrise von 1973 – damals begann das Tankstellensterben – hat der damalige Student die Adressen herausgesucht, bei "Google StreetView" überprüft, ob die Gebäude noch existieren und ist hingefahren. Rund 300 Tankstellen fotografierte Gies innerhalb eines Jahres, 80 von ihnen wählte er für sein Projekt aus. 61 Fotografien haben es in sein Buch geschafft.

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    © Foto: Joachim Gies
    Große Terrasse: Diese alte Tankstelle in Netphen wird heute als Wohnhaus genützt.
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    © Foto: Joachim Gies
    Frühstück, Döner, Getränke: In diese Tankstelle in Essen ist ein Schnellimbiss gezogen.
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    © Foto: Joachim Gies
    Schnell geht es immer noch: Eine Fast-Food-Kette nützt die typische Tankestellenarchitektur der fünfziger Jahre heute.
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    © Foto: Joachim Gies
    Einmal Currywurst bitte! Ein Imbiss - samt Drive-in - hat sich hier in Viersen angesiedelt...
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    © Foto: Joachim Gies
    ...genau wie in dieser alten Tankstelle in Dorsten.
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    © Foto: Joachim Gies
    Ob der Händler hier wohl den Überblick hat? Als Reifenlagerplatz dient diese stillgelegte Tankstelle in Herne.
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    © Foto Joachim Gies
    Recht unscheinbar ist das kleine Häuschen in Schwelm. Es ist nun an eine Autowerkstatt angeschlossen.
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    © Foto: Joachim Gies
    Einen Getränkemarkt beherbergt nun die Tankstelle in Essen.
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    © Foto: Joachim Gies
    Eine Zapfsäule steht noch: Eine Autowerkstatt für Oldtimer ist in diese Tankstelle in Köln gezogen.
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    © Foto: Joachim Gies
    Wie aus einer anderen Zeit: Diese Autowerkstatt in Viersen hat sich auf R4 spezialisiert.
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    © Foto: Joachim Gies
    "Blumen und Meer" steht auf dem Dach, Spezialfedern lagern unten: Nicht mehr viel zu erkennen ist von dieser Tankstelle in Dortmund.
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    © Foto: Joachim Gies
    Einst eine Tankstelle, heute eine Autobahnkapelle: Einen extremen Wandel hat dieses Gebäude in Hamm-Rhynern erfahren.
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    © Foto: Joachim Gies
    Der Name ist geblieben, die Kunden haben gewechselt: "Die Tanke" in Halver ist heute ein Friseursalon mit Kunstausstellungen.
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    © Foto: Joachim Gies
    Diese Tankstelle in Herscheid stand zum Zeitpunkt des Fotos 2013 leer. Rund 300 verschiedene Tankstellen hat Fotograf Joachim Gies ausfindig gemacht...
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    © Foto: Joachim Gies
    ...und 61 von ihnen in den Bildband "Abgetankt" gepackt.

"Wichtig war mir, dass man noch genug Tankstelle erkennt, zum Beispiel anhand des Daches oder des Kassenhäuschens", erläutert Gies. Ausschlagegebend für seine Auswahl waren außerdem die Architektur und die heutige Nutzung. Dabei ist er auf allerhand Skurriles gestoßen.

Autobahnkapelle und Currywurst

In einem alten Kassenhäuschen in Marienheide wohnt heute etwa Graupapagei Werner. Seine Besitzerin – die ehemals in der Tankstelle gearbeitet hat, lebt im angrenzenden Haus und hat für ihren Vogel ein eigenes Reich eingerichtet. Oder die Imbissbude, die einen praktischen "Currywurst-Drive-in" an die Stelle gebaut hat, wo früher die Autos zum Tanken einfuhren.  Sogar eine Autobahnkapelle ist in ein altes Tankstellenhäuschen eingezogen.

Mit allen Besitzern seiner Fotomotive hat Gies gesprochen. Anhand der heutigen Nutzung teilte Gies die Tankstellen in vier Kapitel ein: Essen und Trinken, Automobil, Querbeet und Leerstehend. Gerade letztere sind vom Abriss bedroht – bereits vier der Tankstellengebäude, die in seinem Buch noch zu finden sind, existieren es nicht mehr.

"Abgetankt" geht weiter

Sein Blick auf Tankstellen hat sich durch das Projekt enorm verändert. "Ich schaue an jeder Ecke, ob es eine alte Tankstelle gibt", sagt er. Heutige Tankstellen seien anders. "Das ist aber durch den Strukturwandel bedingt. Es müssen viel mehr Autos abgefertigt werden", erklärt Gies diplomatisch.

Das Projekt "Abgetankt" wird er fortführen und im Sommer in ganz Deutschland auf Tour gehen, um alte Tankstellen zu finden. Gies: "Eigentlich hätte man damit schon gestern anfangen müssen, denn wenn sie nicht mehr genützt werden, werden sie ganz schnell abgerissen."