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Steuerprivileg bleibt Autogas wird weiter gefördert

Die Bundesregierung schafft das Steuerprivileg für den Autogas-Antrieb doch nicht ab. So bekommt das LPG auch über 2018 hinaus eine Förderung. Doch schon seit längerem kommen immer weniger Neuwagen mit Gasantrieb auf den Markt. Das Kfz-Handwerk unterstützt die Regierungsentscheidung dennoch.

Der Antrieb mit Autogas (LPG) wird steuerlich gefördert, da beim Verbrennen weniger Kohlendioxid entsteht als bei Diesel oder Benzin. Autogas gilt als umweltfreundlicher. Der Herstellungsprozess von Autogas ist allerdings alles andere als klimaschonend, da es als Nebenprodukt von Erdölraffinerien hohe Schwefeldioxid-Emissionen freisetzt. Dies und dass der Absatz der Autogas-Fahrzeuge zurückgeht, hatte die Bundesregierung dazu bewegt, über eine Abschaffung der Förderung des LPG nachzudenken.

Doch genau diese Überlegungen sind nun doch wieder vom Tisch - immerhin gilt das Autogasnetz als gut ausgebaut. So berichtet der Zentralverband des Deutsche Kraftfahrzeuggewerbes, dass intensive Lobbyarbeit dazu beigetragen hätte, den Förderstopp ab dem Jahr 2018 nicht umzusetzen.

Pkw mit Gas-Antrieb: Zahlen zu Autogas und Erdgas

Derzeit sind in Deutschland mehr als 550.000 Fahrzeuge mit Gasantrieb zugelassen, davon 475.000 mit Autogas (1,1 Prozent des Pkw-Gesamtbestands) und 80.000 (0,2 Prozent) mit Erdgas. Doch immer weniger Neufahrzeuge mit Gasantrieb kommen auf den Markt. Waren es 2015 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts noch 4.716 Autogas-Neufahrzeuge, die zugelassen wurden, so sanken die Zahlen im Jahr 2016 auf nur noch 2.990. Ein Trend, der sich schon seit längerer Zeit abzeichnet. Doch das Minus bei den Autogas-Neuzulassungen wird noch von dem der Erdgas-Fahrzeuge übertroffen: diese verzeichneten einen Rückgang von 38,7 Prozent – und benötigen nach Ansicht der Bundesregierung im Gegenteil zum Autogas eine weitere Förderung.

Quelle: autogas-journal.de

Das Bundesfinanzministerium hatte Anfang des Jahres einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, der das Auslaufen des derzeitigen Steuerprivilegs für Autogas im nächsten Jahr vorsieht. Das Bundeskabinett hatte den Plänen am 15. Februar 2017 zugestimmt. Erdgas ("Compressed Natural Gas", CNG) soll hingegen weiter bis zum Jahr 2016 gefördert werden. Ab 2024 wird die Förderung jedoch reduziert.

Doch wie der ZDK mitteilt, wird die Steuerbegünstigung für Autogas (LPG) über 2018 hinaus nun doch verlängert. "Angesichts der Umweltdiskussionen ist es ein notwendiger Schritt, diesem erfolgreichen alternativen Antriebskonzept weiter Vorschub zu leisten", begrüßt Christoph Konrad, Berlinrepräsentant des ZDK, die neue Marschrichtung der Bundesregierung. Flüssiggas habe ein erhebliches Reduzierungspotenzial beim Treibhausgas CO2.

Ausweg aus der Dieselkrise: Autobauer setzen auf Erdgas

Die Verlängerung der Steuervorteile für beide Gas-Antriebsarten steht im Koalitionsvertrag als eine Maßnahme, die einer Gegenfinanzierung bedarf. Hieß es noch im Februar, dass Geld für eine weitere Förderung von Autogas von Seiten der Bundesregierung nicht übrig sei, da die vorgesehene Stromsteuer auf selbst verbrauchten Solarstrom nicht kommt. So scheint auch diese Diskussion nun vom Tisch zu sein. Wie die Gegenfinanzierung aussehen soll, ist jedoch noch unklar.

Der Finanzausschuss des Bundestages habe beraten, eine abschmelzende Verlängerung der Steuerbegünstigung für Autogas bis 2022 ins Gesetz aufzunehmen. "Damit wird es im Sinne der Betroffenen keinen harten Ausstieg aus der bisherigen Förderung geben", meldet der ZDK.

Der Deutsche Bundestag selbst gab am 1. Juni bekannt, dass die Förderung bis 2022 verlängert, aber jährlich um 20 Prozent abgeschmolzen wird. Ab 2023 sei dann der reguläre Steuersatz von 409 Euro je 1.000 Kilogramm Flüssiggas anzuwenden. Die Steuerausfälle im Jahr 2019, die durch die verlängerte Steuerermäßigung für LPG-Autogas entstehen, beziffert der Bundestag auf 105,6 Millionen Euro. 2020 würden 79,2 Millionen, 2021 52,8 Millionen und 2022 noch 26,6 Millionen Euro an Steuerausfällen erwartet.

Die Autobauer setzen einem Bericht des Handelsblatts zufolge auf Erdgas als Ausweg aus der Dieselkrise. Sie suchen nach klimafreundlichen Alternativen und Autos, die mit Erdgas betankt werden, stoßen rund 15 Prozent weniger Treibhausgase aus als ein Benziner. Noch mehr ist drin, wenn man teilelektrische Hybriden mit Erdgasantrieb heranzieht oder den Einsatz von synthetischem Methan aus Biomasse oder erneuerbaren Energien.

Kfz-Handwerk: Gasantriebe sind eine Nische

Wie sich die Auftragslage im Kfz-Handwerk durch die aktuellen Diskussionen um alternative Antriebe verändert, bleibt abzuwarten. Fahrzeuge mit Gasantrieb zu warten und zu reparieren, war bisher eher eine Nische und wird es wohl bleiben. So hat sich nach Angaben des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes auch kein Betrieb in Deutschland ausschließlich auf dieses Marktsegment spezialisiert.

Insgesamt gibt es rund 500 Kfz-Innungsbetriebe - von bundesweit 38.400 - die aufgrund ihrer Qualifikationsnachweise entweder als "Anerkannter Betrieb für Gasanlagenprüfung (GAP)" oder "Anerkannter Betrieb für Gassystemprüfung (GSP)" im Markt tätig sind und Nachrüstungen auf Gasantrieb durchführen. jtw

Dieser Beitrag wurde am 6. Juni 2017 aktualisiert.

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