Konjunktur Aufschwung auf breiter Front

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erwartet für dieses Jahr ein Mega-Wachstum. Institutschef Klaus Zimmermann sieht dadurch Chancen für höhere Löhne.

Aufschwung auf breiter Front

Getragen von einem starken Export hat sich die deutsche Wirtschaft im Frühjahr im Rekordtempo aus der zurückliegenden Krise befreit. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs von April bis Ende Juni im Vergleich zum Vorquartal preis- und saisonbereinigt um 2,2 Prozent und legte damit so kräftig zu wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Das gab das Statistische Bundesamt bekannt und bestätigte damit seine Vorabschätzung vom 13. August. Im ersten Quartal war das BIP um 0,5 Prozent gestiegen.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zeigte sich angesichts der Zahlen wiederholt deutlich optimistisch: "Die Erholung hat die deutsche Wirtschaft in ihrer vollen Breite erfasst", sagte er. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) stimmte in den Jubel ein und korrigierte seine Prognose für das laufende Jahr merklich nach oben.

Wachstumstreiber privater Konsum

Wachstumstreiber waren laut Statistikamt neben den Ausfuhren auch Investitionen und privater Konsum. Sowohl in Ausrüstungen (plus 4,4 Prozent) als auch in Bauten (plus 5,2 Prozent) wurde deutlich mehr Geld gesteckt als im Vorquartal. Den Angaben zufolge liegen die Ausrüstungsinvestitionen jedoch nach den zum Teil zweistelligen Rückgängen während der Wirtschaftskrise 2008/2009 auf einem immer noch relativ niedrigen Niveau. Beim Anstieg der Bauinvestitionen handele es sich zum Teil um Nachholeffekte nach dem vergleichsweise strengen Winter.

Die Exporte legten im Vergleich zum Vorquartal um 8,2 Prozent zu und damit stärker als die Importe, die von April bis Ende Juni um 7,0 Prozent stiegen. Insgesamt steuerte der Exportüberschuss einen Anteil von 0,8 Prozent zum BIP-Wachstum bei. Positive Impulse lieferten den Angaben nach auch die Verbraucher, die im Berichtszeitraum insgesamt 0,6 Prozent mehr Geld ausgaben als im ersten Vierteljahr. Sie leisteten damit erstmals seit drei Quartalen wieder einen Wachstumsbeitrag. Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben ebenfalls leicht um 0,4 Prozent.

Brüderle sieht die Konjunkturerholung nach dem zweiten Quartal auf einem breiteren Fundament. Es sei keineswegs allein der Export, der den Aufschwung trage, sagte der Minister. Die Entwicklung verdeutliche vielmehr, dass das Vertrauen der Konsumenten und Investoren zurückgekehrt sei. "Die wirtschaftliche Dynamik im Sommer dieses Jahres verleiht uns den Schwung, um nach dem Auslaufen der konjunkturpolitischen Maßnahmen zu einer sich selbst tragenden Entwicklung zu gelangen", erklärte Brüderle.

Die DIW-Forscher erhöhten – wie zuvor bereits die Ökonomen der Deutschen Bundesbank – ihre Prognose für das laufende Jahr auf über 3 Prozent. Bislang war ein BIP-Plus von 1,9 Prozent erwartet worden. Gestützt werde das Wachstum neben Export, Investitionen und Konsum auch durch einen soliden Arbeitsmarkt, sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann "Handelsblatt Online". "Es ist also ein Aufschwung auf breiter Front, der für dieses Jahr wohl unvermeidbar zu über 3 Prozent Wirtschaftswachstum führen wird."

ddp