Ausbildungsmarkt Handwerk verteidigt Lehrlingskampagne im Ausland

Auszubildende aus Polen und Tschechien sollen Engpässe bei der Besetzung von Arbeitsplätzen vermeiden. Mit diesem Vorschlag erntete Handwerkspräsident Otto Kentzler laute Kritik. Nun hat Kentzler seine Meinung klargestellt.

Handwerk verteidigt Lehrlingskampagne im Ausland

Keinesfalls hole das Handwerk Lehrlinge aus dem Ausland, solange hierzulande viele Jugendliche ohne Ausbildung dastünden, erklärte Kentzler. "Der hohe Berg an registrierten Bewerbern um eine Ausbildungsstelle, von dem in Deutschland immer wieder die Rede ist, existiert nur auf dem Papier", verteidigt der Handwerkspräsident die Lehrlingssuche in Osteuropa. Die Statistiken spiegelten nicht die Lebenswirklichkeit in den Betrieben wieder. Allein im Handwerk drohten – wie schon 2009 – rund 10.000 Lehrstellen unbesetzt zu bleiben.

Mit Engagement schwache Schulleistungen korrigieren

Kentzlers Forderung nach einem Anwerben von Lehrlingen aus Polen und Tschechien hatte zu Irritationen geführt. Vor allem im Osten des Landes würden Lehrlinge aus Polen und Tschechien gesucht, hatte er erklärt. "Wer eine Ausbildung machen will, der findet auch eine Ausbildungsstelle", hob der Handwerkspräsident hervor. Handwerksmeister akzeptierten auch schon mal eine vier in Mathematik, wenn Jugendliche das mit Engagement in der Ausbildung wettmachten. Viele Betriebe organisierten mittlerweile Nachhilfe, um Lehrlinge für die Prüfung fit zu machen.

Seit Jahren schon bemühe sich das Handwerk um die Ausbildung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, unterstrich Kentzler: "Rund 5,5 Prozent unserer Azubis haben einen ausländischen Pass – mehr Ausländer bilden nur noch die freien Berufe aus." Dass fast 40 Prozent junger Migranten die Schule ohne Abschluss verließen, nannte Kentzler einen gesellschaftlichen Sprengsatz. Das Handwerk habe sich zum Ziel gesetzt, hier entgegen zu wirken.

Unterstützen soll dabei die im Januar 2010 gestartete Imagekampagne. Sie soll Jugendliche für eine Ausbildung im Handwerk begeistern. Erst kürzlich startete der Zentralverband des Deutschen Handwerk eine "Fotobox", in der sich Jugendliche mit ihrem Porträtfoto bildlich in einen Handwerksberuf versetzen können.

pc/ddp