Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres haben die Wirtschaftsverbände erneut eine schlechte Qualifikation von Lehrlingen beklagt. Das Handwerk möchte dieser mit einer neuen Offensive begegnen.
Praxiserfahrung im Handwerk motiviert Schüler
Im Handwerk geht man davon aus, dass zunehmend Jugendliche aus dem Ausland eingstellt werden. Ab 2011 können auch Jugendliche aus den neueren Beitrittsländern Polen und Tschechien ohne gesetzliche Beschränkungen in Deutschland arbeiten. Einige Handwerksbetriebe erwägen der "Bild"-Zeitung zufolge Ausbildungsplätze daher künftig europaweit ausschreiben.
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) verfolgt einen anderen Weg. Handwerkspräsident Otto Kentzler sagte, man solle verstärkt auf Partnerschaften von Betrieben und Schulen setzen. "Die Handwerkskammern im Osten haben die Zahl der direkten Partnerschaften von Schulen und Betrieben angekurbelt, sie haben ihre Bildungszentren für allen interessierten Schulen geöffnet." Die Schüler sollen damit die Berufe im Handwerk kennen lernen und gleichzeitig Motivation für bessere schulische Leistungen gewinnen.
Derzeit gibt es im Handwerk noch 15.000 freie Ausbildungsplatzangebote in den Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern. "DIe jungen Leute haben die große Auswahl. In allen Berufen finden sich noch freie Plätze", sagte Kentzler.
Insgesamt gibt es 108.000 offene Lehrstellen und 155.000 Schulabgänger. Das Verhältnis werde sich bis Ende September noch stark angleichen, sagte eine BA-Sprecherin: "Oft finden Firmen und Jugendliche erst kurz vor Ausbildungsbeginn zueinander, in den nächsten Monaten tut sich noch viel."
Laut Arbeitsmarktexperten ist wie im Vorjahr im Herbst mit etwa 16.000 Bewerbern ohne Stelle und 17.000 unbesetzten Stellen zu rechnen. Die Chancen auf eine noch offene Lehrstelle seien in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland und Thüringen am größten.
dhz/ddp