Umsatzrückgang – aber stabile Beschäftigungslage: Diese Merkmale kennzeichnen laut dem Jahresmittelstandbericht 2010 die wirtschaftliche Entwicklung des Mittelstandes im vergangenen Jahr.
Mittelstand: Soziale Marktwirtschaft stärken
Die Umsätze gingen um 4,9 Prozent zurück. Die Beschäftigung blieb mit minus 0,3 Prozent weitgehend stabil. 2010 wird sich das nach wie vor hohe Beschäftigungsniveau nur halten lassen, wenn auch die bisher erst angekündigten Maßnahmen zur Binnenmarktstabilisierung beschlossen werden und wirken können, heißt es im Jahresmittelstandsbericht 2010 der Arbeitsgemeinschaft Mittelstand.
"Aus der Krise lernen: Soziale Marktwirtschaft stärken", so lautet der Titel des Berichtes, der die Einschätzungen von Handel, Handwerk, Industrie und Gastgewerbe zusammenfasst. Den Titel wählten die neun führenden Mittelstandsverbände nicht von ungefähr. Sie wollen damit deutlich machen, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die aktuelle Euro-Krise nicht auf ein Versagen des Marktes, sondern auf fehlende Regeln und politische Fehler zurückzuführen und die richtigen Konsequenzen zu ziehen sind.
Risiken "weggerated"
Besonders stört sich Handwerkspräsident Otto Kentzler an den Ratingagenturen. "Die Pleiten von 2008 hatten System: Die Finanzwirtschaft erfand virtuelle Produkte, die ohne Einsatz von Eigentkapital hohe Gewinne versprachen." Die Ratingagenturen sollten die Risiken bewerten und setzten "mathematische Methoden ein, die die Realität zunehmend ausblendeten und das Risiko weggerated haben", findet Kentzler. "Hier brauchen wir dringend Abhilfe", fordert der Handwerkspräsident. Als Beispiel nennt er die Kreditwirtschaft, in der Kreditauqise räumlich und personell von der Kreditbewertung getrennt sind. "Gleiches muss künftig für die Ratingagenturen gelten", fordert Kentzler, die Agenturen einer Finanzaufsicht zu unterstellen.
Betriebe müssen besser mit Eigenkapital ausgestattet sein
Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), machte deutlich, dass für die Unternehmen neben dem Zugang zu Fremdkapital besonders eine solide Ausstattung mit Eigenkapital die unverzichtbare Voraussetzung für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg sei. "Hier leisten Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit ihren Beteiligungsgesellschaften einen wichtigen Beitrag zur eigenkapitalnahen Finanzierung des Mittelstandes."
Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand macht in ihrem Bericht deutlich, dass die unaufschiebbare Konsolidierung des Staatshaushalts gleichgewichtig und in sachgerechter Schrittfolge mit einer strukturellen und nachhaltigen Steuerentlastung verbunden werden muss. Angesichts der Haushaltslage muss die Politik klare Prioritäten für den Einsatz der geringer werdenden Mittel zu setzen. Kentzler: "Wir müssen da investieren – und nur noch da -, wo es eine zusätzliche Rendite bringt. In Form von besserer Bildung, mehr Arbeitsplätzen, steigenden Steuereinnahmen, oder auch mehr Klimaschutz."
pc