Vor dem Hintergrund der Finanzkrise Griechenlands geht die Debatte um die wirtschaftlichen Folgen weiter. Während einige Experten vor einen Verfall der Gemeinschaftswährung warnen, sehen andere auch Chancen für einen Wachstumsschub.
Verfall oder Chance
"Kein Markt, kein Geschäft, kein Akteur" dürfe "sich einer angemessenen Regulierung und Aufsicht entziehen" können, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier der "Frankfurter Rundschau". Bis zum Frühjahr 2011 soll ein Paket von Gesetzesvorschlägen vorliegen, die unter anderem den Handel mit Derivaten, verschärfte Kapitalanforderungen für Banken sowie neue Initiativen zur Krisenprävention betreffen. Allerdings werde er "nichts vorschlagen, was den europäischen Finanzsektor gegenüber der Konkurrenz schwächen würde".
Das Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Peter Bofinger, regte die Schaffung "eines gemeinsamen Garantiemechanismus" für Mitgliedsländer an, die sich an die im Konsolidierungsplan vorgegebenen Maßnahmen halten. Zugleich sprach er sich im Magazin "Euro am Sonntag" im Sinne einer raschen Stabilisierung für den Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) aus.
Keine Hyperinflation
Indes warnte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) vor den Folgen einer Inflation. Diese "ist die größte soziale Ungerechtigkeit, denn unter ihr leiden Rentner und die Menschen, die wenig verdienen, am meisten", sagte er der "Bild am Sonntag". Mit einer Inflation rechnet der Präsident des Bayerischen Finanzzentrums, Wolfgang Gerke. "Zwar keine Hyperinflation, aber bei drei bis vier Prozent wird sie liegen. Ursache sind die hohen Haushaltsdefizite der Staaten", sagte er.
Derweil verwies der Chef des Handelskonzerns Metro, Eckhard Cordes, darauf, dass ein langfristig schwacher Euro "den wirtschaftlichen Zusammenhalt Europas und damit die begonnene Erholung der deutschen Wirtschaft aufs Spiel" setze. Dies könne auch Arbeitsplätze gefährden, sagte er.
Dagegen sagte der Leiter des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, dass als indirekte Folge der Abwertung der Staatsanleihen Unternehmensanleihen an Attraktivität gewännen. Dies könne sich wiederum "positiv auf die Unternehmen und im besten Fall auch auf den Arbeitsmarkt auswirken".
Nach Ansicht von Ifo-Chef Hans-Werner Sinn werden deutsche Banken nach den Erfahrungen mit der Griechenland-Krise Gelder zukünftig wieder verstärkt der deutschen Industrie als Kredit zur Verfügung stellen. Deutschland könne "mit dem Geld seiner eigenen Sparer" mittelfristig einen Wirtschaftsboom finanzieren, heißt es im Beitrag für die "Wirtschaftswoche".
Unabhängigkeit der EZB gefährdet
Dagegen sieht der Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel (BGA), Anton Börner, die Unabhängigkeit der EZB gefährdet. Euro-Länder mit hohen Staatsschulden könnten die Zentralbank drängen, "die Geldpresse anzuwerfen, um die Staatsdefizite zu finanzieren", sagte er der "Welt am Sonntag". In der Folge drohten "höhere Inflation und höhere Zinsen - beides wird das Wachstum bremsen".
ddp
