In Deutschland sind nach Ansicht der Unternehmen immer weniger Schulabgänger reif für die Ausbildung. Auch deshalb konnte jeder fünfte Betrieb im Krisenjahr 2009 nicht alle Ausbildungsplätze besetzen, stellte der Deutsche Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in einer Umfrage unter mehr als 15.000 Unternehmen fest.
DIHK beklagt Bewerbermangel und fehlende Ausbildungsreife
"Neben dem demografischen Wandel ist die mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger ein großes Problem bei der Stellenbesetzung", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Das am häufigsten von den Betrieben genannte Ausbildungshemmnis sei eine mangelnde Qualifikation der Bewerber, erläuterte Wansleben. 74 Prozent der befragten Unternehmen hätten dies als Grund angegeben. Nach wie vor seien die Betriebe aber auch unzufrieden mit der Leistungsbereitschaft (48 Prozent), Belastbarkeit (44 Prozent) und Disziplin (46 Prozent) der Bewerber gewesen.
Wansleben betonte, dass die Ausbildung der Kinder nicht eine "Dienstleistung des Staates" sei. Es werde zwingend das Engagement der Eltern benötigt: "Wenn Eltern schulische Bildung nicht wertschätzen, müssen sie sich nicht wundern, wenn Kinder dies auch nicht tun". Laut Wansleben führt diese mangelnde Ausbildungsreife auch verstärkt dazu, dass immer mehr Unternehmen zu "Reparaturbetrieben" würden. Mehr als die Hälfte organisiere deshalb in unterschiedlicher Form Nachhilfe im Unternehmen.
Problem demographischer Wandel
"Neben der fehlenden Ausbildungsreife ist jedoch nach wie vor der demografische Wandel ein großes Problem", betonte der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Die Entwicklung führe zu wachsenden Schwierigkeiten der Betriebe, ihren Fachkräftenachwuchs zu sichern. "2010 geht die Zahl der Schulabgänger um weitere drei Prozent zurück", fügte er hinzu. Bei den Haupt- und Realschülern, den wichtigsten Nachfragern nach Ausbildungsplätzen, betrage der Rückgang sogar vier Prozent. Für das laufende Jahr rechnet er deshalb mit einem weiteren Minus von fünf Prozent bei den neuen IHK-Ausbildungsverträgen. Im Jahr 2010 dürften rund 295.000 neue Verträge abgeschlossen werden nach 312.000 im vergangenen Jahr und 345.000 in 2008.
Die größten Probleme, seine Ausbildungsplätze zu besetzen, hatte 2009 das Gastgewerbe, insbesondere im Osten Deutschlands. Insgesamt 43 Prozent der Gastronomiebetriebe hätten nicht mehr alle Lehrstellen besetzen können, 2006 seien es noch 21 Prozent gewesen. Banken und Versicherungen hatten der Umfrage nach wegen der oft mangelnden Qualifikation der Bewerber mit 23 Prozent den zweithöchsten Anteil.
Als zu "pauschal und undifferenziert" kritisierte hingegen der Bundesjugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), René Rudolf, die DIHK-Umfrage. Noch immer gebe es kein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Bewerbern und Ausbildungsplätzen. Er gehe davon aus, dass 2009 entgegen der Umfrage 30 000 Lehrstellen im Land fehlten. Die geschätzt zwischen 100.000 und 200.000 Altbewerber, die bislang keinen Ausbildungsplatz hätten, seien dabei nicht mit eingerechnet. Es bedürfe deswegen einer "effektiveren Berufsvorbereitung" schon in der Schule, forderte Rudolf. Um die Abbrecherquote der Auszubildenden zu minimieren, müsste schon frühzeitig das Interesse der Jugendlichen erkannt und gefördert werden.
ddp