Hoher Benzinpreis Ärger an der Zapfsäule

Jedes Jahr das gleiche Bild: Die Osterferien beginnen und der Benzinpreis klettert in unglaubliche Höhen, weil der Ölpreis just zu dieser Zeit stets steigt, sagen die Mineralölkonzerne. Das kann doch kein Zufall sein.

Ärger an der Zapfsäule

Ein Liter Superbenzin kostet derzeit durchschnittlich 1,39 Euro, ein Liter Diesel 1,17 Euro. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte der "Bild"-Zeitung, dass er sich über die Preise "mächtig ärgere". Vor Feiertagen wie Ostern sei zu beobachten, wie die Preise an den Zapfsäulen auf breiter Front nach oben gingen. "Ob das mit rechten Dingen zugeht, untersucht ja gerade das Kartellamt", betonte er. Es sei sicher richtig und notwendig, dass den Konzernen noch genauer auf die Finger geschaut werde.

Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kritisierte, die Benzinpreise in Deutschland dürften sich "nicht nach den Ferienzeiten richten". Es sei unerträglich, dass die Ölkonzerne pünktlich zum Hauptreiseverkehr regelmäßig an der Preisschraube drehten. "Die Wut der Autofahrer kann ich gut verstehen", sagte Ramsauer.

ADAC-Sprecher Maximilian Maurer sagte, vor dem Hintergrund des schwachen Euro und des aktuellen Rohölpreises sei ein Anstieg der Benzinpreise einfach nicht angebracht. Zwar seien zum Wochenanfang wie so oft die Preise leicht gesunken, doch müssten Verbraucher bereits in den nächsten Tagen mit einer Erhöhung rechnen.

Mineralölkonzerne wehren sich

Der Chef von BP und Aral, Uwe Franke, weist den Vorwurf der Benzinpreis-Abzocke zu Ostern zurück. "Ohne Steuern kostet ein Liter Benzin oder Diesel je nach Sorte zwischen 53 und 61 Cent", sagte Franke zu "Bild"-Online. "Damit liegen wir im unteren Drittel von 27 EU-Ländern." Franke betonte, Benzin koste weniger als ein Liter Erfrischungsgetränk bei ungleich höherem Aufwand für Verarbeitung und Transport. Erst die Steuern machten Benzin und Diesel für die Autofahrer so teuer.

Die Preisentwicklung an den internationalen Märkten richte sich nicht nach Ferienzeiten in Deutschland. Im Übrigen gebe es auch Entwicklungen in die andere Richtung. "Nehmen wir zum Beispiel die Herbst- und Weihnachtsferien in 2008. Damals sanken die Einkaufspreise drastisch und davon profitierten auch die Autofahrer an der Zapfsäule", sagte Franke, der auch Präsident des Mineralölwirtschaftsverbands ist. Außerdem führe der Vergleich zwischen Rohölpreis und Benzinpreis in die Irre. "Seit Jahresanfang sind die Einkaufspreise für Benzin um mehr als sechs Cent je Liter gestiegen, während der Rohölpreis nur leicht – um knapp einen US-Dollar – gestiegen ist", sagte er. Die Gründe dafür seien die gestiegene Nachfrage nach Benzin in den USA angesichts der bevorstehenden Fahrsaison und der schwache Kurs des Euro gegenüber dem US-Dollar.

Nahles spricht von "Geldschneiderei"

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles forderte unterdessen die Bundesregierung auf, zu den konzertierten Benzinpreiserhöhungen klar Stellung zu beziehen. Es sei ein "trauriges Spiel" geworden, dass das Kartellamt alljährlich lediglich mitteile, keine Nachweise für Preisabsprachen der Mineralölkonzerne erbringen zu können. Die Bürger könnten nicht mehr auf eine Lösung hoffen. "Das ist einfach Geldschneiderei", kritisierte Nahles.

Die Energie-Expertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) riet, nicht vor Wochenenden, an Feiertagen und an Autobahnen zu tanken. Der Auto Club Europa (ACE) fordert Discounter-Tankstellen an den deutschen Autobahnen. Hier sei vor allem Wirtschaftsminister Brüderle gefordert, sagte der ACE-Vorsitzende Wolfgang Rose den "Stuttgarter Nachrichten". Der Politiker müsse "jetzt aktiv werden, damit auch preisgünstige Discounter aus dem Mittelstand und nicht nur teure Markentankstellen Kraftstoff im Bereich von Autobahnen anbieten können".

ADAC empfiehlt Preisvergleich

Der ADAC empfiehlt Autofahrern, die Preise an den Tankstellen zu vergleichen, um möglichst günstige zu finden. Ebenso sollten sich Verbraucher vor Urlaubsreisen in andere Länder über die dortigen Spritpreise informieren, um kostengünstiger zu tanken.

Der CDU-Wirtschaftsrat macht indes rein marktwirtschaftliche Ursachen für die hohen Preise verantwortlich. "Das ist eine überwiegend natürliche Entwicklung", sagte der Vorsitzende Kurt Lauk der "Rheinischen Post". "Der Euro ist schwächer geworden, damit verteuert sich der Ölimport", erläuterte er. Die Preise beim Einkauf von Mineralöl schwankten zudem von Saison zu Saison stark. "Es ist nicht Aufgabe der Politik, hier etwas zu tun", sagte Lauk.

Daniela Ringeisen/ddp