Mehr Innovation, Bildung und Wettbewerb sollen die Grundlage Deutschlands für einen ausgeglichenen Aufschwung sein. In ihrem Wirtschaftsbericht lobt die OECD die deutschen Reformen, senkt aber gleichzeitig die Prognose für das Wirtschaftswachstum.
Deutschland braucht mehr Innovationen
Im Mittelpunkt des neuen Wirtschaftsberichts stehen die Innovationen. Hier sieht die OECD in Deutschland Defizite. Insbesondere bei der Entwicklung neuer Produkte habe Deutschland in den vergangenen Jahren international an Boden verloren. Deshalb empfiehlt die OECD, über Strukturreformen Investitionen im Inland attraktiver zu machen und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für mehr Innovationen im Dienstleistungssektor und in der Exportindustrie zu setzen. "Innovationen sind der Schlüssel, um gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit und Binnennachfrage zu steigern", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria.
Der Bericht nennt konkrete Maßnahmen, die zu mehr Innovation und Wachstum führen können: Die OECD schlägt einen erleichterten Marktzugang bei freien Berufen, einfachere Regeln für die Gründung und Abwicklung von Unternehmen und einen besseren Zugang zu Wagniskapital vor. Außerdem sollte die Förderung von Forschung und Entwicklung durch steuerliche Anreize ergänzt werden. Als notwendige Strukturreformen sieht die Organisation Maßnahmen zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes wie die Anpassung des Kündigungsschutzes vor, dass für den Arbeitgeber die Kosten bei der Entlassung von fest angestellten Arbeitnehmern vorhersehbarer werden. "Gleichzeitig sollte von befristeter Beschäftigung abgesehen werden", heißt es in dem Bericht.
Bildungsbereich reformieren
Darüber hinaus fordert die OECD Reformen im Bildungsbereich. Während in vielen OECD-Ländern mittlerweile mehr als 40 Prozent der jüngeren Jahrgänge eine tertiäre Ausbildung genossen haben, liege der Wert in Deutschland nur bei rund 20 Prozent. "Trotz seiner leistungsfähigen beruflichen Bildung muss Deutschland den Anteil der tertiär Ausgebildeten erhöhen. Gleichzeitig muss die duale Ausbildung mehr grundlegende Fertigkeiten vermitteln und damit den Absolventen helfen, sich besser den sich verändernden Anforderungen der Arbeitswelt anzupassen", erklärt der Bericht. "Deutschland braucht mehr gut ausgebildete Arbeitnehmer mit breiten Qualifikationen um Produktivität, höhere Einkommen und längere Erwerbszeiten zu erreichen", sagte OECD-Generalsekretär Gurria.
Für das Jahr 2010 rechnet die OECD mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 Prozent. Kalenderbereinigt betrage das Plus 1,1 Prozent. Bislang war die Organisation von einem Anstieg um 1,4 Prozent ausgegangen. Auch die Bundesregierung hatte in ihrem Jahreswirtschaftsbericht für 2010 ein Wachstum von 1,4 Prozent prognostiziert. Die Wachstumsprognose für 2011 von 1,9 Prozent bestätigte die OECD. Die Produktion liege immer noch 5,5 Prozent unter ihrem Vorkrisenniveau. Das BIP werde voraussichtlich erst 2013 wieder den Anfang 2008 verzeichneten Stand erreichen.
pc