DHZ-Konjunkturumfrage 2009 Handwerkswirtschaft schrumpft

Das Handwerk konnte sich 2009 der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise nicht entziehen. Denn von der Rezession waren in Deutschland insbesondere die handwerksrelevanten Bau-, Automobil- und Investitionsgütersektoren betroffen.

Handwerkswirtschaft schrumpft

In den ersten beiden Branchen wurden die rezessiven Auswirkungen dank der aufgelegten Konjunkturpakete allerdings spürbar abgemildert, so dass sie recht glimpflich durch die Krise kamen. Dagegen ist die Nachfrage auf dem Investitionsgütermarkt regelrecht zusammengebrochen. Dementsprechend erlitten die handwerklichen Zulieferer einen massiven Umsatzeinbruch, der auch die Entwicklung des Gesamthandwerks signifikant nach unten drückte.

Leichter Beschäftigungsrückgang

Für die Beschäftigung begann das Jahr 2009 unter schwierigen Verhältnissen. Zum einen hat der ungewöhnlich lange Winter die saisonüblichen Wiedereinstellungen verzögert. Zum anderen belastete auch die gesamtwirtschaftliche Konjunkturkrise die Personalentwicklung. Überdurchschnittliche Personaleinbußen verzeichneten dabei das Bauhauptgewerbe, die Zulieferer und das Kraftfahrzeughandwerk. In den Folgemonaten hat sich im Bauhauptgewerbe die Beschäftigung aufgrund witterungsbedingter Nachholeffekte und erster Auswirkungen der Konjunkturpakete sichtlich erholt. Dagegen mussten die Maschinenbaufirmen wegen des außerordentlichen Auftragsrückgangs verstärkt Personal entlassen. Die meisten konsumnahen Branchen konnten ihre Belegschaft im Berichtszeitraum – trotz der angespannten Wirtschaftslage – annähernd stabil halten. Alles in allem waren in den Handwerksbetrieben im Jahresdurchschnitt 2009 rund 4,73 Millionen Personen (einschließlich Inhaber und Auszubildende) tätig. Gegenüber 2008 ergibt sich damit eine eher moderate Abnahme von 1,5 Prozent.

Die Umsatztätigkeit wies in den ersten drei Quartalen einen steilen Abwärtstrend auf, der erst zum Jahresende flacher wurde. Im Baugewerbe machten sich vor allem die stark nachlassenden Bauaufträge der Unternehmen bemerkbar. Zwar profitierte es nach einigen Anlaufschwierigkeiten zunehmend von den beschlossenen Konjunkturpaketen, konnte aber dadurch die kräftigen Umsatzverluste im gewerblichen Bau nicht ganz ausgleichen. Die Zulieferer hat der in- und ausländische Nachfrageausfall auf dem Investitionsgütermarkt mit voller Wucht getroffen und zu dramatischen Umsatzverlusten geführt. Deren Ausmaße waren so heftig, dass sie das Ergebnis des Gesamthandwerks deutlich belastet haben.

Das Kraftfahrzeughandwerk verzeichnete dank der staatlichen Abwrackprämie eine enorme Belebung des Autohandels mit Privatkunden, musste aber andererseits im Firmenwagengeschäft deutliche Einbußen hinnehmen. Auch beim Gebrauchtwagenabsatz und im Servicebereich waren Abstriche zu machen. Insgesamt erreichte die Branche damit ein leichtes Umsatzplus. Der konsumnahe Handwerkssektor konnte trotz zum Teil schwieriger Rahmenbedingungen seine Einnahmenverluste in recht engen Grenzen halten. Alles zusammengenommen dürfte das Handwerk 2009 einen Umsatz von 491 Milliarden Euro (einschließlich Mehrwertsteuer) erwirtschaftet haben, gegenüber dem Vorjahr sind das 4,0 Prozent weniger.

Weniger Investitionen

Die Investitionsaktivitäten der Betriebe gingen im Jahr 2009 merklich zurück. Ein wesentlicher Grund hierfür war die schwere gesamtwirtschaftliche Rezession, die auch im Handwerk zu einer Verschlechterung der Absatzperspektiven führte. Ferner wurden im Zuge der Finanzkrise die Kreditkonditionen der Banken verschärft, so dass etliche Investitionsvorhaben aus Finanzierungsgründen gescheitert sind oder sich als unrentabel erwiesen. Darauf deuten auch die neuesten Umfrageergebnisse von Creditreform zur Finanzierung im Mittelstand hin. Zudem war auch der Weg über die Eigenfinanzierung häufig eingeschränkt, weil die Eigenkapitalausstattung und die Gewinne infolge der angespannten Konjunkturlage knapper wurden. Am stärksten haben die Zulieferer, gefolgt vom Kraftfahrzeuggewerbe, das Investitionsbudget gekürzt. In den anderen Branchen sind die investiven Ausgaben in deutlich geringerem Umfang gesenkt worden. Insgesamt investierte das Handwerk 2009 rund 12 Milliarden Euro in Maschinen, Fahrzeuge und Baumaßnahmen. Damit ergab sich gegenüber dem Vorjahreswert ein Rückgang von etwa 8 Prozent.

Ertrag in Mitleidenschaft gezogen

Die Ertragslage wurde von dem tiefen Konjunktureinschnitt gleichfalls in Mitleidenschaft gezogen. Die rückläufige Nachfrage hat generell den Druck auf die Verkaufspreise und damit die Gewinnmargen erhöht. Eine zusätzliche Belastung ging von der aggressiven Preispolitik anderer Wirtschaftsbereiche – zu nennen sind hier insbesondere die Discounter – aus. Aber auch in einigen Handwerksbranchen wurde durch Sonderaktionen und Rabatte der preisliche Wettbewerb zusätzlich verschärft. Auf der Kostenseite sorgten die gesunkenen Energie- und Rohstoffpreise für eine gewisse Entlastung. Gleichzeitig dürften aber die Lohnkosten wieder stärker die Ertragssituation beeinträchtigt haben, weil die Handwerksbetriebe – entgegen betriebswirtschaftlicher Notwendigkeiten – nur sehr vorsichtig mit Personalentlassungen auf die Krise reagierten.

Der Betriebsbestand ist 2009 weiter leicht gestiegen, und zwar um 0,6 Prozent auf 973.000. Für den positiven Verlauf war ausschließlich der Betriebszuwachs in den zulassungsfreien B1-Berufen verantwortlich. In der zweiten Jahreshälfte nahmen die Neueintragungen verstärkt zu, da offenbar viele Arbeitslose den Sprung in die Selbstständigkeit wagten.

$(LC4411530:DHZ-Konjunkturumfrage: Zulieferer im Zentrum der Krise >|_top)$

dhz