Stärkster Auftragsrückgang seit Jahrzehnten – stabile Lage im Lebensmittelhandwerk.
Zulieferer im Zentrum der Krise
- Baugewerbe: Das allgemeine Konjunkturtief hat im Jahr 2009 auch die deutsche Bauwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Am stärksten betroffen war der gewerbliche Bau. Die Unternehmen haben angesichts unterausgelasteter Kapazitäten ihr Investitionsbudget für Fabrik- und Bürogebäude deutlich gekürzt. Rückläufig waren außerdem die Aufträge im Wohnungsneubau. Nachdem 2008 mit 156.000 neu errichteten Wohnungen ein historischer Tiefstand erreicht wurde, zeichnet sich für das Berichtsjahr ein neuer Minusrekord ab. Der Abwärtstrend im Wohnungsneubau wird mit großer Sorge gesehen, denn eine Studie des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung beziffert den allein aus der demografischen Entwicklung abgeleiteten Neubaubedarf auf jährlich 225.000 Wohnungen. Gestützt wurde die Wohnungsbausparte von den wachsenden Bestandsinvestitionen, wobei die umfangreichen staatlichen Fördermaßnahmen wichtige Impulse lieferten. Die öffentliche Bautätigkeit ist zwar sehr zögerlich ins Jahr gestartet, gewann aber zunehmend an Schwung. Die Maßnahmen aus den Konjunkturpaketen haben hierzu sicherlich beigetragen, wenngleich die erhoffte schnelle Marktwirksamkeit nicht erzielt wurde. Alles in allem konnte das Baugewerbe das Krisenjahr 2009 noch mit einem vergleichsweise geringen Umsatzminus von 2 Prozent abschließen.
- Handwerk für gewerblichen Bedarf: Der Maschinen- und Werkzeugbau ist nach einem mehrjährigen konjunkturellen Höhenflug im Jahr 2009 in eine tiefe Rezession gestürzt. Auslöser war die globale Wirtschafts- und Finanzkrise, in deren Gefolge sowohl die ausländische als auch die einheimische Investitionsgüternachfrage katastrophal eingebrochen ist. So hat sich der Auftragseingang in den ersten sechs Monaten im Vorjahresvergleich nahezu halbiert. Seit dem Sommer registriert die Branche eine allmähliche Bodenbildung. Auf den extremen Produktionseinbruch mussten die Unternehmen – trotz intensiver Inanspruchnahme der Kurzarbeit – mit Personalentlassungen reagieren. Der Jahresumsatz der handwerklichen Zulieferer dürfte 2009 um rund ein Viertel geschrumpft sein. Die Gebäudereiniger bekamen den starken Einbruch der Industriekonjunktur ebenfalls zu spüren. Auch das Landmaschinenhandwerk meldete sinkende Umsätze. Ausschlaggebend für die rückläufige Geschäftstätigkeit war, dass die Landwirte wegen der steigenden Kosten für Düngemittel und der unter Druck geratenen Absatzpreise für Getreide und Milch ihre Investitionen in neue Maschinen auf Eis gelegt haben.
- Kraftfahrzeuggewerbe: Die ökonomische Entwicklung der Kraftfahrzeugbetriebe wurde 2009 von zwei Faktoren maßgeblich geprägt. Einerseits belastete die tiefe Autokrise die Branche. Andererseits hat die von der Bundesregierung beschlossene Abwrackprämie die private Pkw-Nachfrage entscheidend belebt. So sind die Pkw-Neuzulassungen im Berichtsjahr um 25 Prozent auf rund 3,8 Millionen gestiegen. Gekauft wurden insbesondere Minis, Klein- und Kompaktwagen, die Zulassungszahlen haben sich hier zum Teil verdoppelt. Dagegen verzeichneten vor allem die obere Mittelklasse und das Premiumsegment zweistellige Minusraten. Trotz der sehr positiven Zulassungsbilanz beurteilten die Betriebe ihre wirtschaftliche Lage insgesamt eher zurückhaltend. Erstens hat sich die Rendite wegen der anhaltenden Rabattschlacht nicht verbessert. Zweitens wirkte sich die Verschrottungsprämie negativ auf Teilbereiche des Service- und des Gebrauchtwagengeschäftes aus. So ist die Zahl der Besitzumschreibungen von Autos um etwa 1,5 Prozent leicht gesunken. Auch das Werkstattgeschäft konnte – entsprechend der stagnierenden Auslastung – allenfalls mit Mühe an das Vorjahresergebnis anknüpfen.
- Lebensmittelhandwerke: Die konjunkturelle Lage der Bäcker und Metzger präsentierte sich 2009 in einer recht stabilen Verfassung. Die Umsätze blieben im Vorjahresvergleich praktisch unverändert. Die Mitarbeiterzahl konnte gleichfalls konstant gehalten werden. Die Bäcker verbuchten im Jahresdurchschnitt sogar ein leichtes Beschäftigungsplus. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen boten ein differenziertes Bild: Einerseits hat sich wegen der Inflation und gleichzeitiger Zunahme der verfügbaren Einkommen die Kaufkraft der Privathaushalte verbessert. Hinzu kam, dass die dämpfenden Einflüsse des Arbeitsmarktes bislang relativ gering waren. Andererseits machte den Nahrungsmittelhandwerkern der aggressive Preiswettbewerb der Discounter erheblich zu schaffen. Zumal die Konsumenten in jüngster Zeit wieder eine größere Preissensibilität an den Tag legen. Die Ertragslage war aufgrund der hohen Personalausgaben weiterhin schwierig, wenngleich die Energie- und Rohstoffpreise für eine gewisse Kostenentlastung sorgten. Auf dem Biermarkt ging es weiter bergab. Die Brauereien verkauften in den ersten neun Monaten 3,4 Prozent weniger Bier als im Jahr zuvor, berichtete das Statistische Bundesamt.
- Gewerbe für den privaten Bedarf: Die Gesundheitshandwerke müssen für 2009 eine eher bescheidende Jahresbilanz ziehen. Die Augenoptiker dürften das Umsatzergebnis von 2008 nicht mehr erreicht haben. Denn in den ersten drei Quartalen verbuchten sie – laut amtlicher Handwerksberichterstattung – bereits ein Minus von 1,8 Prozent. Und für das Schlussvierteljahr deuteten die jüngsten Umfrageergebnisse auf keine durchgreifende Geschäftsbelebung hin. Mit gewisser Sorge sieht die Branche, dass die Zahl der Brillenträger in Deutschland trotz der demografischen Entwicklung binnen drei Jahren um 1,2 Millionen gesunken ist. Im Zahntechnikerhandwerk bewegte sich die Umsatztätigkeit in etwa auf Vorjahreshöhe. Das Absatzgeschehen war durch einen intensiven Preiswettbewerb bei zahntechnischen Leistungen sowie einer merklichen Nachfragezurückhaltung bei einem Teil der Patienten gekennzeichnet. Das Friseurhandwerk bekam die Folgen der Wirtschaftskrise bislang kaum zu spüren. Der Umsatzrückgang hielt sich daher zwar in engen Grenzen, der mehrjährige Abwärtstrend konnte aber auch 2009 nicht gestoppt werden.
dhz