Integration Handwerk will auf Migranten nicht verzichten

Das Handwerk wird künftig noch weniger als heute auf die Mitarbeit gut ausgebildeter Jugendlicher und junger Erwachsener mit Migrationshintergrund verzichten könnten. "Wir werden in Zukunft jeden einzelnen Schulabgänger brauchen", sagt Handwerkspräsident Otto Kentzler. Von Karin Birk, Berlin

Handwerk will auf Migranten nicht verzichten

Allerdings könne das Handwerk an Qualität und Qualifikation keine Abstriche machen, sagte Kentzler. Wichtig sei deshalb eine "gelungene Integration", die im Elternhaus anfängt und sich über Kindergarten und Schule fortsetzt. Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer unterstrich die Bedeutung von Migranten bei einem drohenden Fachkräftemangel.

Kentzler appellierte an die Politik, ihre Anstrengungen in der Qualifikation der Auszubildenden noch zu verstärken. "Grundlage jeder erfolgreichen Integrationspolitik ist Bildung, Bildung und nochmals Bildung“, sagte Kentzler bei der Vorstellung eines Positionspapiers des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zur Integrationspolitik und wies dabei auch auf die unzähligen Maßnahmen der Betriebe und Kammern hin. Schon heute unterstützten viele Gesellen und Meister gerade auch Jugendliche aus Zuwanderfamilien. Außerdem engagierten sich viele Kammern in der Berufsberatung. Sie kooperierten auch mit ausländischen Unternehmer- und Elternvereinen und unterstützen ausländische Unternehmer bei der Ausbildung.

Böhmer unterstrich die Vorreiterrolle des Handwerks bei der beruflichen Förderung von Zuwanderern. Damit sicherten sie sich nicht nur Fachkräfte und mögliche Kundenkreise im In- und Ausland, sie leisteten damit auch einen wichtigen Beitrag zur Integration und zum Zusammenhalt in der Gesellschaft. Sie appellierte an die Arbeitgeber, bei der Einstellung nicht so sehr auf Namen und Adresse, sondern auf das Können zu achten.

Böhmer gestand aber auch ein, dass viele junge Migranten noch nicht fit für die Ausbildung seien. "Die Länder müssen die Schulen mit hohem Ausländeranteil noch stärker fördern", sagte sie. Als Integrationsbeauftragte sehe sie zwar Fortschritte, wo es noch fehlt, werde sie aber weiter ihre Finger "in die Wunde“ legen. Allerdings müssten auch Schüler und Eltern ihren Beitrag leisten. Die Schüler müssten sich anstrengen und bei der Berufswahl offen sein, forderte Böhmer und ZDH-Präsident Otto Kentzler legte unmissverständlich klar, dass Integration "keine Einbahnstraße" sei und er interkulturelle Offenheit auch von den Migranten fordere.