Der Wirtschaftswissenschaftler Michael Bolle kritisiert die Jobversprechen der Parteien im Wahlkampf als zu unkonkret.
Jobversprechen der Parteien zu unkonkret
Die SPD sage in ihrem "Deutschland-Plan" lediglich, dass es schön wäre, 2020 vier Millionen Arbeitsplätze mehr zu haben, sagte der Berliner Arbeitsmarktexperte im Interview mit der Nachrichtenagentur ddp. Wie die Stellen konkret geschaffen werden sollten, werde nicht erläutert. Auch die Union versuche, aus Angst vor unpopulären Maßnahmen, möglichst wenig zu sagen. Das mache den diesjährigen Wahlkampf "unerträglich langweilig".
Als Beispiel nannte der Professor an der Freien Universität Berlin die zentrale Forderung der Sozialdemokraten nach mehr Weiterbildung. Die SPD lege dabei aber nicht fest, wie beispielsweise bildungsferne Menschen oder "Hartz-IV"-Empfänger zum Lernen gebracht werden könnten. Damit sich mehr Menschen qualifizierten, müsse Leistung belohnt werden. Zugleich dürfe Verweigerung nicht toleriert werden. Dies zu proklamieren, würde jedoch Wählergruppen abschrecken, zeigte sich Bolle überzeugt.
Um Arbeitsplätze zu schaffen, seien verschiedene abgestimmte Maßnahmen notwendig, die bei Wählern womöglich auf Ablehnung stoßen würden, sagte der Wirtschaftswissenschaftler. Dazu gehöre etwa eine weitere Verschlankung der sozialen Sicherungssysteme. Bolle betonte, ferner müssten auch bestimmte Bereiche für Investitionen attraktiv gemacht werden. Zugleich sprach er sich für Steuersenkungen aus. Eine große Rolle spielten für Deutschland als Exportnation Impulse aus der Weltwirtschaft.
ddp