Für deutsche Unternehmen hat sich der Zugang zu Krediten im Juli deutlich erschwert, stellte das Ifo-Institut in einer Umfrage fest. Das Handwerk sieht dennoch keine Probleme bei der Kreditvergabe für seine Betriebe.
Handwerkspräsident sieht keine Kreditklemme
Wie das Ifo-Institut mitteilt, schätzen derzeit 45,1 Prozent der befragten Unternehmen die Kreditvergabe durch die Banken als restriktiv ein. Im Juni sagten dies noch 42,4 Prozent. Die Klagen über die strenge Kreditvergabepraxis der Banken haben in allen Wirtschaftsbereichen merklich zugenommen. Dadurch sei die Gefahr, einer Behinderung des erhofften Aufschwungs durch eine Unterkapitalisierung gewachsen.
Im Verarbeitenden Gewerbe empfinden den Angaben zufolge 53,6 Prozent der großen Unternehmen die Vergabepraxis als restriktiv. Im Vormonat gaben dies noch 50,9 Prozent an. Von den mittelgroßen Unternehmen berichten nach 40,7 Prozent im Juni nun 43,8 Prozent der Firmen über Probleme beim Erhalt neuer finanzieller Mittel durch Banken.
Besonders schwierig gestalteten sich die Kreditverhandlungen für die kleinen Industrieunternehmen. Während im Juni noch 39,7 Prozent der entsprechenden Firmen von derartigen Problemen berichteten, stieg ihr Anteil nun auf 43,5 Prozent. Im Bauhauptgewerbe sehen sich 47,0 Prozent der Unternehmen einer restriktiven Kreditvergabe ausgesetzt, nach 45,5 Prozent im Vormonat. Bei den Handelsunternehmen empfanden 42,5 Prozent der Firmen die Kreditpolitik der Banken als schwieriger. Im Juni registrierten dies 39,9 Prozent der Betriebe.
Wie das Ifo-Institut weiter mitteilt, schränkten die Finanzinstitute trotz der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ihre Kreditvergabe weiter ein. Grund seien unter anderem die massiven Eigenkapitalverluste etlicher Banken durch die Finanzkrise.
EZB: Banken legen strengere Maßstäbe an
Die Europäische Zentralbank (EZB) bestätigt die Aussagen des Ifo-Instituts: Laut der EZB haben die Banken in der Eurozone im zweiten Quartal ihre Kreditvergabebedingungen weiter verschärft, allerdings in einem deutlich geringeren Ausmaß als im ersten Quartal. Zwischen April und Juni legten 17 Prozent (Vorquartal: 40 Prozent) der befragten Kreditinstitute etwas strengere Maßstäbe bei der Kreditvergabe an Unternehmen an, 4 Prozent (Vorquartal: 4 Prozent) deutlich strengere. 79 Prozent (Vorquartal: 57 Prozent) der Banken ließen ihre Standards gegenüber dem ersten Quartal dagegen unverändert, keine befragte Bank lockerte ihre Standards.
Die Banken begründeten die anhaltende Verschärfung ihrer Kreditrichtlinien einerseits mit den anhaltend ungewissen weltwirtschaftlichen Perspektiven, andererseits aber auch mit branchenspezifischen Problemen, etwa im Bereich der Refinanzierung. Strengere Kreditkonditionen beinhalten unter anderen höhere Zinsen, erhöhte Anforderungen an Sicherheiten, kürzere Kreditlaufzeiten oder höhere Tilgungsraten.
Auch die Kreditvergabekonditionen deutscher Banken haben sich im zweiten Quartal in allen Geschäftsbereichen weiter verschärft. Wie die Deutsche Bundesbank mitteilte, haben die befragten Institute ihre Angebotsbedingungen erneut in allen Geschäftsbereichen verschärft.
Handwerk sieht keine Kreditklemme für Betriebe
Der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Handwerk (ZDH), Otto Kentzler, sieht derzeit keine Probleme bei der Kapitalbeschaffung für Handwerksbetriebe. "Es gibt keine Kreditklemme im Handwerk", sagte Kentzler der "Thüringer Allgemeinen". In der Krise forderten Sparkassen und Genossenschaftsbanken als Hauptfinanziers des Handwerks zwar höhere Sicherheiten und im Einzelfall Risikoaufschläge. "Es gibt aber keine Anzeichen dafür, dass die Kreditvergabe gebremst wird."
Kleinere Unternehmen hätten es schon in der Vergangenheit schwerer gehabt, an Kredite zu kommen. "Für Großbetriebe mit größeren Kreditrisiken ist es in der Krise allerdings schwieriger geworden". Eine direkte Darlehensvergabe des Staates über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) lehnt der Handwerkspräsident ab: "Der Staat soll die Risiken abfedern, aber nicht selbst Kredite vergeben".
pc/ddp