Konjunkturprognosen Wirtschaftsforscher rechnen mit drastischem Einbruch

Der Wirtschaftsabschwung in Deutschland wird noch dramatischer ausfallen als bislang angenommen. Das Ifo- und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) haben ihre Prognosen für 2009 deutlich abgesenkt.

Wirtschaftsforscher rechnen mit drastischem Einbruch

Beide Institute rechnen nun mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von deutlich mehr als sechs Prozent in diesem Jahr. Die Experten des Münchener Ifo-Instituts erwarten für 2009 einen BIP-Rückgang um 6,3 Prozent. Noch im Dezember hatten die Ökonomen von Institutspräsident Hans-Werner Sinn lediglich ein BIP-Minus von 2,2 Prozent vorhergesagt. Das gemeinsame Frühjahrsgutachten führender Wirtschaftsforschungsinstitute im April, zu denen auch das Ifo gehört, lautete aber bereits auf minus sechs Prozent. Für 2010 rechnet das Ifo mit einem Rückgang um 0,3 Prozent.

Die Rezession werde sich ab Sommer zudem verstärkt auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen, warnten die Ifo-Experten. Der Aufbau von Kurzarbeit werde zum Stillstand kommen, und die Arbeitslosenzahlen würden beschleunigt zunehmen. Im Durchschnitt dieses Jahres dürfte die Zahl um 320.000 und 2010 um 760.000 steigen. Bei alledem wird das Verbraucherpreisniveau wahrscheinlich stabil bleiben.

Beim RWI wird statt eines BIP-Rückgangs von 4,3 Prozent, wie noch im März erwartet, nun für dieses Jahr mit einer Verringerung um 6,4 Prozent gerechnet. Für 2010 werde aber ein leichtes Plus von 0,2 Prozent erwartet. Wesentlicher Grund für die deutliche Absenkung der Prognose sei die Schärfe des Wachstumseinbruchs im ersten Quartal. Die Zahl der Arbeitslosen wird nach Einschätzung der RWI-Forscher in diesem Jahr bei durchschnittlich 3,5 Millionen und 2010 bei 4,3 Millionen liegen. Dies entspricht einer Quote von 8,1 beziehungsweise 10,0 Prozent. Ende 2010 dürfte die Zahl sogar bis auf 4,6 Millionen ansteigen.

Anzeichen für Stabilisierung

Beide Institute sehen allerdings Anzeichen für den Beginn einer allmählichen Stabilisierung. Hierfür spreche die aktuelle Entwicklung einer Reihe von wichtigen Konjunkturindikatoren wie Produktion und Auftragseingang sowie das Ifo-Geschäftsklima. Anzeichen für einen beginnenden kräftigen Aufschwung gibt es nach Auffassung des RWI allerdings nicht. Die Bundesregierung erwartet für 2009 einen BIP-Rückgang von 6,0 Prozent und im kommenden Jahr ein leichtes Plus von 0,5 Prozent. Im vergangenen Jahr war die Wirtschaft noch um 1,3 Prozent gewachsen, 2007 sogar um 2,5 Prozent.

Konsumklima hellt sich auf

Unterdessen zieht die Verbraucherstimmung nach Monaten der Stagnation wieder leicht an. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartungen als auch die Anschaffungsneigung hätten sich verbessert, teilte das Marktforschungsinstitut GfK am Dienstag in Nürnberg mit. Der sogenannte Konsumklimaindex verbesserte sich von 2,6 Punkten im Juni auf 2,9 Punkte für den Monat Juli. Insgesamt bleibe das Konsumklima allerdings auf niedrigem Niveau. Nachdem sich zuletzt die Hinweise auf ein Ende der wirtschaftlichen Talfahrt verdichtet haben, verstärken sich die Hoffnungen auf eine Stabilisierung der Konjunktur bei den Verbrauchern, wie es hieß.

Ralf Beunink/ddp