Die ostdeutschen Handwerksbetriebe sollen ihre Bemühungen bei der Suche nach geeigneten Lehrlingen verstärken, fordert Handwerkspräsident Otto Kentzler. Hintergrund: Das Handwerk befürchtet, dass sonst viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.
Handwerk beklagt viele offene Lehrstellen im Osten
Die Folge wäre laut Kentzler ein dramatischer Fachkräftemangel in den kommenden Jahren. Die Ursache für die Entwicklung sei die drastisch zurückgegangene Zahl der Schulabgänger.
Der Präsident des Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) appellierte an die Unternehmen, noch deutlicher zu machen, dass die Jugendlichen in den jeweiligen Berufen eine Perspektive hätten. Da in den alten Ländern das Angebot kleiner sei als die Zahl der Bewerber, forderte Kentzler die Jugendlichen auf, sich in Ostdeutschland nach einer Lehrstelle umzusehen. Dort gebe es moderne Unternehmen mit hohem technischem Niveau, die dringend Nachwuchs suchten.
Ausbildungsbemühungen nicht verringern
Mit Blick auf die Wirtschaftskrise warnte Kentzler davor, die Ausbildungsbemühungen zu verringern. Das wäre das Falscheste, was die Handwerksbetriebe machen könnten. Die konjunkturelle Lage sei im Handwerk nach wie vor stabil.
Angesichts des Rückgangs bei den Bewerbern äußerte Kentzler Unverständnis für die Forderung von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) nach 600.000 neuen Ausbildungsverträgen in diesem Jahr. Die Jugendlichen dürften nicht verunsichert werden. Es werde 2009 für jeden Bewerber Angebote geben, versicherte der ZDH-Präsident. Es mache wenig Sinn, Vorgaben zu machen, die sich wegen fehlender Lehrlinge nicht erfüllen ließen.
600.000 Ausbildungsverträge nicht notwendig
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) spricht sich deswegen gegen die Schaffung neuer Lehrstellen aus. Die geforderten 600.000 neuen Ausbildungsverträge seien nicht notwendig, teilte der Verband im Rahmen des Bundesaktionstages "Ausbildung im Handwerk" mit. "Ich halte es für absolut verfrüht, solche Zahlen zu nennen", kritisierte ZDH-Präsident Otto Kentzler. Die Daten seien noch kein Maßstab.
Handwerksbetriebe könnten ihre abgeschlossenen Ausbildungsverträge noch bis einschließlich Juni bei den Kammern einreichen. Eine exakte Vertragszahl ließe sich somit erst im Juli korrekt benennen. Nach Informationen des Internetportals der Zeitung "Handelsblatt" aus Verhandlungskreisen haben sich beide Seiten über eine Garantie von 600.000 Ausbildungsverträgen im kommenden Ausbildungsjahr nicht verständigen können.
$(LC3625163:Wie der Verband mitteilte, wurden bis Mai diesen Jahres deutschlandweit 35.385 Ausbildungsverträge abgeschlossen – ein Minus zum Vorjahresmonat von 9,8 Prozent.|_top)$ Dabei übertraf der Osten des Landes mit minus 13,5 Prozent den Westen mit einem einem Minus von 9,3 Prozent deutlich. Als Grund hierfür sieht Kentzler eine besonders in den neuen Bundesländern stark rückläufige Nachfrage. "Allein in Potsdam haben wir aktuell 600 freie Stellen." Viele Jugendliche wüssten nicht, welche Berufe es im Handwerk gebe und an welche Stelle sie sich bei Interesse wenden könnten, erklärte Kentzler den Rückgang. Zudem habe man 2009 auch die vor sich hergeschobene "Bugwelle Altbewerberzahlen" erfolgreich abbauen können.
Anstelle neuer Ausbildungsplätze forderte der ZDH die Bundesarbeitsagentur dazu auf, die rund 500.000 ausbildenden Handwerksbetriebe zu unterstützen. Insbesondere Jugendlichen aus Zuwandererfamilien müsse ausbildungsbegleitend geholfen werden, betonte Friedrich Hubert Esser vom Handwerksverband.
$(LEhttp://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/news/News-Handwerk-packt-die-Ausbildung-an_3652838.html:Erst am Montag hat das staatliche Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) eine Studie veröffentlicht, wonach das Ausbildungsplatzangebot seit Jahren um 15 Prozent zu gering ist.|_top)$
pc/ddp