Doppelter Druck für Markus Ferber CSU-Spitzenkandidat muss bei der Europawahl Kratzer am Image Seehofers verhindern

Auf Markus Ferber lastet derzeit doppelter Druck: Der Spitzenkandidat der CSU kämpft nicht nur für seinen Wiedereinzug ins Europäische Parlament, sondern auch für das Image von Horst Seehofer als Retter der Partei.

CSU-Spitzenkandidat Markus Ferber steht bei der Europawahl unter besonderem Druck. Foto: ddp

CSU-Spitzenkandidat muss bei der Europawahl Kratzer am Image Seehofers verhindern

Sollte die CSU am 7. Juni keinen Erfolg haben, wäre dies ein herber Rückschlag im Ringen um neue Stärke nach dem Debakel bei der Landtagswahl vom vergangenen September.

Doch Ferber gibt sich optimistisch. In diversen Interviews versicherte der 44-jährige, an die Möglichkeit eines Scheiterns an der bundesweiten Fünf-Prozent-Hürde nicht einmal zu denken. Von Seehofer kommt derweil viel Lob für den "grandiosen" Einsatz des Spitzenkandidaten.

Ende vergangenen Jahres schien das Verhältnis der beiden CSU-Politiker noch etwas getrübt zu sein. Wochenlang gab es Spekulationen, Seehofer könnte die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier wegen ihres hohen Bekanntheitsgrades als Spitzenkandidatin bei der Europawahl bevorzugen. Der Parteichef vermied zunächst eine klare Aussage, entschied sich dann aber doch für Ferber.

Bei der Kür des schwäbischen CSU-Bezirkschefs zum Spitzenkandidaten versicherte Seehofer im Januar: "Wenn in den letzten Wochen unermüdlich immer wieder und immer wieder behauptet worden ist und auch geschrieben und gesendet wurde, dass zwischen uns Spannungen sind, Markus, und dass ich eigentlich ganz andere Dinge im Kopf hätte für die Spitzenkandidatur, kann ich nur mit Wilhelm Busch antworten: Wohl dem, der dann und wann sich etwas Schönes dichten kann."

Ferber sieht sich selbst "nicht als zweite Wahl" und zählt sich zudem "zu den bekannten Gesichtern" seiner Partei. Der gebürtige Augsburger, der verheiratet und Vater eines Sohnes ist, trat 1983 in die CSU ein und schaffte 1994 zum ersten Mal den Sprung ins Europäische Parlament. Fünf Jahre später wurde der Diplom-Ingenieur Chef der CSU-Europagruppe.

Im Juni 2005 gelang es Ferber, seine Machtposition mit der Wahl zum schwäbischen CSU-Bezirksvorsitzenden auszubauen. In diesem Amt wurde er erst vor zwei Wochen bestätigt - und zwar mit 96 Prozent der Stimmen. Auf dem Bezirksparteitag in Lindau trat auch Seehofer auf, der die Delegierten mit den Worten anfeuerte: "Am 7. Juni sind alle Kameras auf uns gerichtet. Am Wahlergebnis wird man die Stärke der CSU ablesen wollen."

Auch die Zugkraft des Spitzenkandidaten wird dann erkennbar werden. Ferber zeigt jedoch im Wahlkampf statt Nervosität Sinn für Humor. So scherzte er kürzlich mit Blick auf die Tatsache, dass die Europawahl ausgerechnet mitten in den bayerischen Pfingstferien stattfindet: "Der Urlaub wird nicht schön sein, es wird regnen, wenn man nicht vorher zur Briefwahl geht."

Jörg Säuberlich/ddp