Spitzenkandidat der Linken Linke will mit "Professor Bisky" gestärkt nach Europa

Ein älterer Herr blickt nachdenklich vom Europawahlplakat der Linkspartei. Vernunft – das Wort steht ganz groß drauf. Darunter ein kurzes Statement, dem Kapitalismus Schranken zu setzen. Dazu der Hinweis: Hier spricht "Prof. Dr. Lothar Bisky". Mit dem Linksparteichef, der gleichzeitig Vorsitzender der Europäischen Linken ist, will die Partei am 7. Juni die Zehn-Prozent-Marke überwinden.

Mit Spitzenkandidat Lothar Bisky will die Linke die Zehn-Prozent-Marke knacken. Foto: ddp

Linke will mit "Professor Bisky" gestärkt nach Europa

Bisky, langjähriger PDS- und jetzt Linke-Parteivorsitzender (1993 bis 2000, seit 2003), gilt als philosophisch angehauchte Integrationsfigur mit einem Hang zum Pragmatismus. Erstmals bundesweit bekannt wurde er Anfang der 1990er Jahre, als er im brandenburgischen Landtag den Untersuchungsausschuss zu den Stasi-Vorwürfen gegen Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) leitete. Auch die Abgrenzung von der "Kommunistischen Plattform" und die Entwicklung der SED-PDS zu einer neuen Linkspartei ist neben dem von Gregor Gysi eng mit seinem Namen verbunden.

Geboren wurde Bisky am 17. August 1941 in Zollbrück im Kreis Rummelsburg. Nach der Flucht seiner Familie aus Pommern wuchs er in Schleswig-Holstein auf, ging aber als 18-jähriger allein in die DDR und trat der SED bei. Als Kulturwissenschafter wurde er Dozent der DDR-Akademie für Gesellschaftswissenschaften, in den Vorwendejahren leitete er die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg.

Im Herbst 1989 setzte er sich für den Erhalt der DDR durch demokratische Reformen ein. Eine inoffizielle Stasi-Mitarbeit bestritt Bisky stets, scheiterte jedoch wegen dieser nie ganz ausgeräumten Vorwürfe nach der Bundestagswahl 2005 mit seinem Vorhaben, Vizepräsident des Parlaments zu werden.

Unter Biskys Leitung erfolgte 2007 die Parteifusion der PDS mit der linken Wahlalternative WASG unter der Führung von Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine. Dies hatte Bisky stets als "historische Chance" bezeichnet – und kandidierte auf dem 1. Parteitag der Linken in Cottbus letztmalig als Parteivorsitzender. Jetzt will der 67-Jährige in Europa mitmischen.

André Spangenberg/ddp