Rebecca Harms und Reinhard Bütikofer sind die Spitzenkandidaten der Grünen Grüne-Doppelspitze kandidiert für Europa

Reinhard Bütikofer liebäugelt seit langem mit der Europapolitik. 1998 bemühte sich der Grünen-Politiker zum ersten Mal um einen Platz auf der Europaliste seiner Partei, scheiterte damals aber mit seiner Kandidatur. Nun startet der langjährige Grünen-Chef einen zweiten Anlauf. Gemeinsam mit Rebecca Harms tritt der 56-Jährige bei der Europawahl als Spitzenduo für die Grünen an. Für Bütikofer ist Brüssel Neuland, Harms dagegen hat dort schon einige Jahre Erfahrung.

Reinhard Bütikofer und Rebecca Herms bilden das Spitzenduo der Grünen für die Europawahl. Foto: ddp

Grüne-Doppelspitze kandidiert für Europa

Zu seinem Posten an der Grünen-Spitze gelangte Bütikofer damals unverhofft. Ursprünglich war er als Parteichef gar nicht vorgesehen. Als die Delegierten auf einem Bundesparteitag 2002 jedoch den bisherigen Amtsinhabern Fritz Kuhn und Claudia Roth eine erneute Kandidatur verweigerten, musste der damalige Bundesgeschäftsführer selbst einspringen. Bütikofer blieb sechs Jahre an der Parteispitze und ist damit bislang der Grünen-Chef mit der längsten Amtszeit.

Bütikofer führte die Grünen durch turbulente Zeiten – durch rot-grüne Regierungsjahre und den Gang zurück auf die Oppositionsbank, Der Realo vermittelte immer wieder erfolgreich zwischen den Parteiflügeln. Als Vorsitzender der grünen Grundsatzprogrammkommission prägte der dreifache Vater auch die inhaltliche Ausrichtung seiner Partei entscheidend mit. Der Kompromiss zum Atomausstiegsbeschluss der Grünen ging maßgeblich auf sein Konto.

Die Zeit an der Parteispitze verlief für Bütikofer trotzdem nicht immer harmonisch. Bei der Frage des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan etwa probte die Basis einst den Aufstand gegen ihn und den Rest des Grünen-Vorstands. Bütikofer räumte anschließend Führungsfehler und interne Kommunikationsschwierigkeiten ein.

Bütikofer wurde in Mannheim geboren, wuchs in Speyer auf und studierte später in Heidelberg Philosophie, Geschichte und Sinologie. Den Abschluss ließ er aus. 1984 trat er den Grünen bei, saß von 1988 bis 1996 für die Partei im Stuttgarter Landtag und wurde anschließend Landeschef der baden-württembergischen Grünen – bis er in den Bundesvorstand wechselte.

Auch Rebecca Harms saß für die Grünen lange in ihrer Heimat Niedersachsen im Landtag – von 1994 bis 2004. Sie kam über den Widerstand gegen die Atomenergie zu den Grünen. Als in den 70er Jahren in ihrer Nachbarschaft das Atommülllager Gorleben gebaut werden sollte, gründete sie eine Bürgerinitiative mit und begann, sich in der bundesweiten Anti-Atomkraft-Bewegung zu engagieren. Bis heute gehören Atom- und Energiepolitik zu ihren Kernthemen.

Die 52-jährige hat verschiedene berufliche Stationen hinter sich: als Baumschul- und Landschaftsgärtnerin, als Filmemacherin - und immer wieder als Politikerin. Die Arbeit in Straßburg und Brüssel lernte Harms schon von 1984 bis 1988 kennen. Damals ging sie als Assistentin einer befreundeten Europaabgeordneten in den EU-Parlamentsbetrieb. Nach ihrer Zeit im niedersächsischen Landtag kehrte sie 2004 nach Brüssel zurück – diesmal als Grünen-Spitzenkandidatin für die Europawahl. Beim vergangenen Mal kämpfte sie im Duo mit dem Grünen-"Platzhirsch" in Europa, Daniel Cohn-Bendit. Nun hat sie den Brüssel-Neuling Bütikofer an ihrer Seite.

Christiane Jacke/ddp