Konjunkturbericht des deutschen Handwerks Handwerk spürt Rezession weniger stark als Gesamtwirtschaft

Das weniger exportabhängige Handwerk ist von der Wirtschaftskrise weniger betroffen als die Gesamtwirtschaft. Allerdings haben auch im Handwerk die Umsätze schon jetzt etwas nachgegeben, da viele Branchen aufgrund sinkender Nachfrage unter Preisdruck gekommen sind. Von Karin Birk, Berlin

Im Lebensmittelhandwerk meldet die Hälfte aller Betriebe Umsatzrückgänge. Foto: ddp

Handwerk spürt Rezession weniger stark als Gesamtwirtschaft

"Einen Einbruch wie andere Wirtschaftszweige hat die Handwerkswirtschaft nicht erlebt", sagte ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer zum aktuellen Konjunkturbericht des deutschen Handwerks. Für das Gesamtjahr rechnet Schleyer für das Handwerk mit einem Umsatzrückgang von real zwei Prozent und einem leichten Beschäftigungsrückgang von 0,5 Prozent. Die Gesamtwirtschaft wird nach den Prognosen der Bundesregierung dagegen um real sechs Prozent schrumpfen.

Bauhauptgewerbe schwächelt

Wie in der gesamten Wirtschaft sind nach Schleyers Worten die handwerklichen Zulieferer der Exportwirtschaft besonders betroffen. Deutlich geschwächt ist auch das Bauhauptgewerbe, das die Rezession im Wirtschaftsbau und den nach wie vor schwachen privaten Wohnungsbau zu verkraften habe. Dort hoffe man jetzt auf die öffentlichen Investitionen aus dem Konjunkturprogramm.

Im Ausbauhandwerk sei dagegen die Lage wegen der geförderten Nachfrage zur Energieeinsparung stabil. Profitiert von öffentlichen Mitteln habe auch das Kfz-Gewerbe, das durch die Abwrackprämie belebt worden sei. Allerdings bereite das nachlassende Werkstattgeschäft weiterhin Probleme.

Im Lebensmittelhandwerk meldet die Hälfte aller Betriebe Umsatzrückgänge. Gründe sind der aggressive Preiswettbewerb der Discounter und der ausgeprägte Sparwille der Verbraucher. Leicht verschlechtert haben sich auch die Umsätze der persönlichen Dienstleistungen wie Friseur, Schneider, Schuster oder Uhrmacher.

Wie Schleyer sagte, ist auch im Handwerk der Geschäftsklimaindex rückläufig. Er liege aber immer noch über dem Niveau von 2005 und deutlich über dem schlechtesten Wert aus der jüngsten Rezession im Frühjahr 2003. Für den Rest des Jahres rechnen 48 Prozent der Betriebe mit gleich bleibenden und 19 Prozent mit steigenden Umsätzen.

Auch die Beschäftigung ist im Handwerk derzeit stabiler als in der Gesamtwirtschaft. "Die Beschäftigung wird nur leicht nachgeben", prognostiziert Schleyer. Er rechne mit einem Minus von 0,5 Prozent, falls die Lage durch die Wirkung der Konjunkturpakete in wichtigen Branchen stabil bleibe. Damit würden von den rund 4,8 Millionen Beschäftigten im Handwerk rund 25.000 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren. Anders sieht es bei den Ausbildungsplätzen aus: Hier liege das Angebot "bisher auf dem Niveau des Vorjahres", sagte Schleyer. Er warnte wegen der stark zurückgehenden Bewerberzahlen vor der Gefahr, dass im laufenden Ausbildungsjahr viele Ausbildungsplätze frei bleiben.

Von der Politik forderte der ZDH-Generalsekretär weitere Unterstützung für den Mittelstand: "Will die Politik die Lage im Land stabil halten, muss sie die leistungsfähige und einsatzbereite Mitte der Gesellschaft stärken." Ziel müsse es sein, das Steuersystem zu vereinfachen und den Steuerzahler in ersten Stufen schon 2010 und 2011 zu entlasten. Auch sollten die Sozialversicherungsbeiträge dauerhaft unter 40 Prozent gesenkt werden.

Angesichts rückläufiger Verkaufspreise geben die Erträge vieler Betriebe weiter nach. "Damit bleibt deutlich weniger Geld übrig für Investitionen", warnte Schleyer. Über 40 Prozent der Betriebe – und damit zehn Prozent mehr als noch vor einem Jahr – hätten ihre Investitionen gekürzt und wollten bei anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheit dies auch in den kommenden Monaten tun. Nach seiner Ansicht machen den Handwerksbetrieben hohe Hürden bei der Finanzierung einen Strich durch die Rechung. Wie die KfW hervorhob, lassen sich diese vielfach mit ihren Programmen oder der Unterstützung von Bürgschaftsbanken oder Landesförderinstituten überwinden, wenn es an Sicherheiten oder Eigenkapital mangelt.