Konjunktur DIW senkt Prognose für 2009

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat seine Prognose für die Entwicklung des deutschen Bruttoinlandsproduktes im laufenden Jahr kräftig reduziert. Wegen der großen konjunkturellen Unsicherheiten verzichtet das DIW jedoch darauf, für 2010 eine konkrete Wachstumsrate anzugeben.

DIW-Präsident Klaus F. Zimmermann senkt die Wachstumsprognose für 2009. Über die Entwicklung im nächsten Jahr will er keine Auskunft geben. Foto: ddp

DIW senkt Prognose für 2009

Für 2009 werde jetzt mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4,9 Prozent gerechnet, sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann. Bislang war offiziell eine Schrumpfung um 1,1 Prozent vorhergesagt worden. Im ersten Quartal 2009 ist die Wirtschaftsleistung nach DIW-Einschätzung sehr schwach gewesen. Das BIP sei voraussichtlich um 2,2 Prozent gesunken. Für das zweite Quartal werde mit einem Rückgang von 0,9 Prozent gerechnet.

Laut dem DIW-Konjunkturexperten Stefan Kooths wird die Produktivität dieses Jahr in Deutschland um 2,0 Prozent schrumpfen. Die Ausfuhren würden um gut 13,0 Prozent zurückgehen, wobei sich die Lage wohl erst Ende 2009 wieder stabilisieren dürfte. Als starkes investitionsgüterlastiges Industrieland sei Deutschland von der Krise besonders betroffen, ergänzte Zimmermann.

Kooths zufolge rechnet das DIW mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf um mehr als 700.000 auf 3,7 Millionen Personen. Rein rechnerisch habe die Ausweitung der Kurzarbeit bisher 800.000 Entlassungen vermieden. Die Arbeitslosigkeit sei dadurch aufgeschoben aber nicht aufgehoben worden, betonte Kooths. Komme es nicht zu enormen Wirtschaftsimpulsen aus dem Ausland, könnten die Haushalte in Deutschland die Krise durch stärkere Beschäftigungsverluste noch massiv zu spüren bekommen.

Das DIW lehne eine Ausweitung des Kurzarbeitergeldes auf 24 Monate ab. Langfristig sei es bedenklich, einer Strukturbereinigung auszuweichen, hieß es.

Für Ende des laufenden Jahres rechnet das Berliner Institut wieder mit einer Stabilisierung der Wirtschaft. Weltweit komme es zu einer zunehmenden Überwindung der Vertrauenskrise an den Finanzmärkten, sagte der Leiter der DIW-Konjunkturabteilung, Christian Dreger. Die Regulierung der Finanzmärkte und die niedrige Inflationsrate, die den Konsum relativ stütze, wie auch die geringen Rohstoffpreise trügen dazu bei.

Bezüglich weiterer staatlicher Impulse für die deutsche Wirtschaft zeigte sich Zimmermann sehr ablehnend: "Allein schon die Debatte über ein Konjunkturpaket III ist schädlich." Jetzt müsse erstmal das, was bereits beschlossen worden sei, umgesetzt werden. Außerdem gebe es auch noch die automatischen Stabilisatoren wie zurückgehende Steuereinnahmen bei einem gleichzeitigen Anstieg von Sozialleistungen. Zudem sei eine Strukturreform im Bankensektor notwendig.

Das DIW wolle vorsichtig sein, um nicht seine Glaubwürdigkeit zu verspielen, begründete Zimmermann die Entscheidung, für 2010 keine voraussichtliche BIP-Zahl zu nennen. "Am ehesten ist von einer sehr schwachen und langsamen Erholung auszugehen", erklärte er.

Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, zeigte Verständnis für die Entscheidung Zimmermanns. Es sei derzeit "wahnsinnig schwer, eine Prognose aufzustellen, weil wir Strukturbrüche haben", sagte Blum dem Radiosender MDR Info. Auf diese Situation ließen sich die gängigen Prognosemethoden nur schlecht anwenden, weil dafür Erfahrungswerte aus der Vergangenheit fehlten.

Vom früheren Wirtschaftsweisen und heutigen Chefökonom des privaten Finanzdienstleisters AWD, Bert Rürup, erntet Zimmermann dagegen Kritik. Dem Radiosender Bayern2 sagte Rürup, er halte die Entscheidung des DIW für falsch, keinen bezifferten Ausblick für 2010 vorzulegen. "Gerade in unsicheren Zeiten brauchen Unternehmen und auch die Politik Prognosen", erklärte der Wirtschaftsexperte.

Ein Ökonom, der sich der Konjunkturanalyse verschrieben habe, sei auch in einer gewissen Bringschuld, gerade in unsicheren Zeiten, Prognosen zu erstellen, sagte Rürup weiter. Und wenn ein Konjunkturpolitiker glaube, Prognosen nur in sicheren Zeiten zu machen, dann habe er eigentlich seinen Job verfehlt. Rürup räumte trotzdem ein, dass aufgrund der Finanzkrise und Rezession in allen wichtigen Wirtschaftsregionen Prognosen ausgesprochen schwierig seien. Es gebe aber auch keine Alternative dazu.

Am Fall des DIW ist für Rürup nach eigenen Worten "besonders interessant, dass Klaus Zimmermann, der Präsident, glaubt, keine Prognose abgeben zu können, aber gleichzeitig ist er dezidiert gegen ein drittes Konjunkturprogramm – wie man aber die Frage nach der Notwendigkeit eines dritten Konjunkturprogramms qualifiziert beantworten kann, ohne eine Prognose zu haben, das erschließt sich mir eigentlich nicht".

ddp

Die wichtigsten DIW-Prognosen für 2009 (Quelle: DIW) :