Die Beschaffungskosten für Energie sinken. Trotzdem können Verbraucher nicht auf fallende Strompreise hoffen. Die Gasversorger geben einer Studie zufolge nur die Hälfte der Preissenkungen weiter.
Gasversorger geizen bei Preissenkungen
Das Gutachten, das im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion erstellt wurde, ergibt, dass ein privater Durchschnittshaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden ungerechtfertigte Mehrkosten in Höhe von 150 Euro ergeben würden.
Für das zweite Quartal 2009 hätten die Versorger einen durchschnittlichen Preisnachlass von zwölf Prozent im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres angekündigt. Das entspreche aber nur der Hälfte des sich rechnerisch aus den derzeitigen Marktentwicklungen ergebenden Preissenkungspotenzials, heißt es in der Studie. Für die Gasversorger bedeute das allein im ersten Halbjahr 2009 einen Mehrerlös von einigen Hundert Millionen Euro. Zur Jahresmitte halten die Studienautoren eine weitere Preissenkung um etwa 15 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal für angemessen. Falls es jedoch bei der bisherigen Preispolitik bleibe, werde sich der ungerechtfertigte Mehrerlös der Gasversorger für das Gesamtjahr auf rund 1,6 Milliarden Euro summieren.
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Bärbel Höhn, machte die Große Koalition für die Entwicklung verantwortlich. "Der Wettbewerb auf dem Gasmarkt entwickelt sich leider nur zögerlich, weil die Bundesregierung ähnlich wie beim Strommarkt die Auseinandersetzung mit den großen Platzhirschen scheut", sagte Höhn der "Saarbrücker Zeitung".
Außerdem berichtet die "Financial Times Deutschland", dass fast 60 Prozent der in einer Umfrage befragten Energieversorger derzeit mit unveränderten Stromtarifen planen. Jeder dritte Versorger erwartet der Erhebung in Kooperation mit der Personalberatung Russell Reynolds Associates zufolge sogar weiter steigende Preise. Nur ein Bruchteil erwäge Preissenkungen.
Laut dem Bericht beteiligten sich an der Umfrage 37 Energieunternehmen, darunter auch die größten deutschen Versorger E.ON, RWE und EnBW. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgte anonym. Dass die Strompreise 2009 höchstens stabil bleiben oder gar steigen sollen, steht in starkem Kontrast zu den derzeit sinkenden Preisen für Energierohstoffe.
Zwischen August 2008 und Januar 2009 ist der Preis für Kraftwerkskohle dem Hamburger Energieinformationsdienst EID zufolge um mehr als ein Viertel (26 Prozent) gefallen. Auch andere Rohstoffe wie Erdgas haben sich ebenfalls deutlich verbilligt. Grund für die ausbleibende Weitergabe der gesunkenen Kosten an die Endverbraucher ist nach Ansicht von Experten der geringe Wettbewerb in der Branche.
ddp