Bundeskanzlerin besucht Opel-Werk in Rüsselsheim Merkel lehnt Staatsbeteiligung an Opel ab

Es ist dieser Moment am Schluss ihres Besuchs am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim, der den knapp 3.000 Zuhörern in Erinnerung bleiben wird: Opel-Chef Hans Demant zeigt Kanzlerin Angela Merkel (CDU) stolz ein neues Elektroauto, und die hakt gleich mal nach.

Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte das Opel-Stammwerk in Rüsselsheim. Sie sagte Hilfen zu, lehnt eine Staatsbeteiligung aber weiterhin ab. Foto: ddp

Merkel lehnt Staatsbeteiligung an Opel ab

Ob Opel die Batterien denn alleine entwickelt habe? Nein? Mit General Motors (GM) zusammen? Ah ja, sagt die Kanzlerin: "Aber auch etwas auf der deutschen Seite?" Demant nickt. "Das ist zurzeit wichtig", erklärt sie jovial. Die Führungsriege von Opel und GM Europa lächelt gequält.

Zuvor hatten die Manager gemeinsam mit den Opel-Beschäftigten der Rede Merkels gelauscht. Diese hatte nur wenig Neues und kaum Spannendes zum Inhalt. Sie bekräftigte die Bereitschaft der Bundesregierung für eine staatliche Unterstützung zugunsten Opels. Eine direkte Beteiligung lehnte Merkel jedoch ab. Es müsse vielmehr ein Investor gefunden werden, "der mit staatlicher Unterstützung – und das sage ich ausdrücklich zu" – eine langfristige Lösung schaffe. Die Zusage der Kanzlerin gilt demnach für Bürgschaften: "Der Staat soll Brücken bauen", ein guter Unternehmer sei er noch nie gewesen.

Wenige Minuten zuvor hatte Opel-Gesamtbetriebsratchef Klaus Franz sich abermals für eine direkte staatliche Beteiligung an einer neuen europäischen Opel AG ausgesprochen. Man unterstütze den Vorschlag von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), "Investitionen durch Bürgschaften langfristig und nachhaltig abzusichern", sagte Franz, fügte zugleich jedoch hinzu: "Ehrlich gesagt, wäre uns aber eine direkte staatliche Beteiligung lieber." Herr Wulff habe sicher schon berichtet, "wie gut das in Niedersachsen funktioniert", sagte Franz mit Blick auf den dortigen Regierungschef Christian Wulff (CDU) und die Landesbeteiligung an Volkswagen.

Doch die Kanzlerin lässt sich von solchen Wortmeldungen nicht aus dem Konzept bringen. Opel-Chef Demant lobt Merkel für ihr Engagement um den angeschlagenen Autokonzern, GM-Europachef Carl-Peter Forster dankt der Bundeskanzlerin für die Abwrackprämie, und auch Franz ist freundlich gestimmt. Dafür sagte Merkel den 3.000 Zuhörern zu, "in den nächsten Wochen leidenschaftlich dafür zu arbeiten", dass 2012 – zum 150-jährigen Opel-Bestehen – ein stolzes, wirtschaftsfähiges, modernes und von den Menschen geliebtes Unternehmen Opel existiere.

Allen warmen Worten zum Trotz: Die Belegschaft freute sich zwar auf den Besuch, große Erwartungen hatte sie indes nicht. "Da wird heute wohl nicht viel bei rumkommen", sagt ein Arbeiter aus der Fertigung des neuen Opel-Erfolgsmodells Insignia. "Es ist doch so: Wir müssen abwarten, was drüben in Amerika passiert", sagt er. Seine Kollegen in der kleinen Pausenecke nicken zustimmend. Alle tragen sie ein grellgelbes T-Shirt mit der Aufschrift "Wir sind Opel", wie auch die meisten der rund 3000 Zuhörer.

Solche Meinungen sollen aber möglichst nicht nach außen dringen, wenn sich die Kanzlerin die Ehre gibt. "Wir möchten nicht, dass hier Mitarbeiter befragt werden", sagt einer der vielen ausgeschwärmten Pressebetreuer. Die Journalisten wurden schließlich vor allem deshalb eingeladen, um den Besuch Merkels in der hochmodernen Insignia-Produktion zu begleiten. Kurz nach 11 Uhr zieht die Kanzlerin mit einem Tross durch die Produktionshalle, schaut mal nach links, nach rechts, mal nach oben an die Decke, wo halbfertige Autos lautlos durch die Halle schweben. Dann wieder spricht sie ein paar Worte mit den Beschäftigten, bevor sie ohne Presse-Begleitung mit der Unternehmensspitze in der Entwicklungsabteilung verschwindet.

Unterdessen warten die Zuhörer in die Halle auf die Kanzlerin. Es sei "ein Pluspunkt" in Zeiten "schwankender Stimmung", dass Merkel nach Rüsselsheim gekommen sei, sagt Peter Kunert, Mitarbeiter in der Entwicklung für Sonderfahrzeuge. Doch auch er glaubt nicht, dass es an diesem Tag großartige Neuigkeiten oder Versprechungen gibt. Kurze Zeit später, nachdem die Reden vorbei sind, weiß er, wie recht er hatte.

Daniel Staffen-Quandt/ddp