Bundesagentur für Arbeit Keine Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

Im März dieses Jahres hat es erstmals seit Beginn der Erhebung der Arbeitsmarktstatistik im Jahr 1928 in diesem Monat keine Frühjahrserholung gegeben, sondern einen Anstieg der Arbeitslosen.

Keine Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt

Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte, stieg die Zahl im Vergleich zum Februar um 34.000 auf jetzt 3,586 Millionen. Verglichen mit März 2008 waren 78.000 Menschen mehr arbeitslos. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich gegenüber Februar von 8,5 auf 8,6 Prozent.

"Der wirtschaftliche Abschwung kommt zunehmend auf dem Arbeitsmarkt an", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Im März habe nicht nur die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung abgenommen, sondern erneut auch die Arbeitskräftenachfrage. Zwar habe es eine jahreszeitliche Erholung gegeben, dies seien aber durch die schlechte Konjunktur voll überdeckt worden. Dennoch sieht Weise die Entwicklung am Arbeitsmarkt noch günstiger als die der Gesamtwirtschaft.

Zu der zu erwartenden Arbeitslosenzahl am Ende des Jahres äußerte Weise sich nicht eindeutig: "Die vier Millionen sind nicht auszuschließen, aber das ist natürlich abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung." Schon zur Jahresmitte sei aber ein starker Anstieg zu erwarten, weil vielen Mitarbeitern schon gekündigt worden sei, sich die Entlassung aber erst später auswirke. Weise rechnet nach eigenen Worten mit einer Trendwende am Arbeitsmarkt frühestens im Jahr 2010.

Besonders stark mache sich der Anstieg der Arbeitslosen bei den Zeitarbeitern und in der verarbeitenden Industrie bemerkbar. Lichtblicke gibt es nach Aussage von BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker im Dienstleistungssektor. "Hier funktioniert der Arbeitsmarkt und wir haben noch einen höheren Zugang an offenen Stellen", sagte er. Gefragt sei weiter der Gesundheits- und Sozialbereich. Viele, vor allem größere Unternehmen nutzten die Krise zur Weiterbildung der Mitarbeiter, lobte Becker.

Während im Westen Deutschlands die Arbeitslosenquote nun bei 7,1 Prozent liegt, ist sie in den neuen Ländern genau doppelt so hoch. Unter den Bundesländern liegt Baden-Württemberg mit einer Quote von 5,0 Prozent knapp vor Bayern mit 5,2. Schlusslichter sind Mecklenburg-Vorpommern mit 15,4 und Sachsen-Anhalt mit 14,8 Prozent.

Nach Angaben Weises wirkte sich die hohe Zahl der Kurzarbeiter stabilisierend auf den Arbeitsmarkt aus. "Die Kurzarbeit wird genutzt, um Entlassungen zu vermeiden", unterstrich er. Wie viele davon derzeit betroffen sind, lässt sich nach Darstellung von Raimund Becker nicht exakt sagen. Zwischen Januar und März hätten insgesamt rund 50 000 Unternehmen Anträge für 1,7 Millionen Beschäftigte gestellt. Erst im Mai lasse sich zuverlässig sagen, wie viele Betriebe das Instrument wirklich genutzt hätten.

OECD rät Deutschland zu weiteren Konjunkturmaßnahmen

Angesichts des drohenden drastischen Anstiegs der Arbeitslosigekeit rät die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Deutschland zu weiteren wachstumsstützenden Maßnahmen. Deutschland leide wegen seiner starken Konzentration auf die Produktion von Investitionsgütern besonders stark unter dem Zusammenbruch des Welthandels, so dass die Produktion 2009 schwach bleiben werde, prognostiziert die OECD in ihrem Zwischenbericht zum halbjährlichen Wirtschaftsausblick.

Die OECD rechnet damit, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2009 um 5,3 Prozent sinken, 2010 aber um 0,2 Prozent steigen wird. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft noch um 1,3 Prozent gewachsen. Den Projektionen zufolge wird die Arbeitslosenquote bis Ende 2010 auf nahezu 12 Prozent klettern, "da das Wachstum nur langsam gegen seine Potenzialrate konvergiert, und die Bezugsfrist für das konjunkturelle Kurzarbeitergeld ausläuft". Derzeit liegt die Quote bei 8,6 Prozent.

Wegen der raschen Konjunkturverschlechterung bedarf es nach Einschätzung der OECD weiterer Ankurbelungsmaßnahmen, die schnell umgesetzt werden müssen. Diese sollten von vorübergehender Natur sein und auf der Grundlage ihrer kurzfristigen Wirkung ausgewählt werden. "In Anbetracht des zu erwartenden drastischen Anstiegs der Arbeitslosigkeit sollte der Schwerpunkt zusätzlicher fiskalischer Aktionen auf aktiven arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen liegen, um der drohenden Erhöhung der Langzeitarbeitslosigkeit entgegenzuwirken", rät die OECD.

Ralph Bauer/ddp