Politik erleichtert Bahn-Chef Mehdorn tritt zurück

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, tritt von seinem Amt zurück. Er habe dem Aufsichtsratsvorsitzenden die Auflösung seines Vertrages angeboten, sagte der 66-Jährige auf der Bilanzpressekonferenz des Staatsunternehmens.

Bahn-Chef Mehdorn tritt zurück

Er erwarte, dass der Aufsichtsratsvorsitzende noch vor der Sommerpause einen Nachfolger präsentieren werde.

Der langjährige Bahnvorsitzende war im Zuge der Ausweitung der Datenaffäre immer stärker unter Druck geraten. Gewerkschaften wie Oppositionsparteien hatten seinen Rücktritt gefordert. Mehdorn selbst stellte erneut klar, dass es "keine strafrechtlich relevanten Fehlhandlungen der Bahn oder ihrer Mitarbeiter" gegeben habe. "Es handelt sich hier nicht um einen Datenskandal, sondern um eine Kampagne zur Veränderung der Unternehmensführung und der Unternehmenspolitik", sagte er.

Die Diskussion habe sich hier längst von den Fakten abgekoppelt. In einer solch aufgeheizten Atmosphäre sei eine faire Erörterung nicht mehr möglich. "Auch wenn ich mir persönlich nichts Unrechtes vorzuwerfen habe und mit mir im Reinen bin, so gilt es nun zu allererst, diese schlimmen, ja zerstörerischen Debatten für die Bahn zu beenden", sagte Mehdorn. Daher wolle er als Vorstandsvorsitzender "die Gesamtverantwortung für das, was in der Deutschen Bahn passiert oder eben nicht geschieht" übernehmen.

Im Anschluss an seine Rücktrittserklärung zog Mehdorn noch eine sehr persönliche Bilanz. "Meine fast zehn Jahre bei der Bahn waren eine tolle Zeit. Manchmal ein wenig verrückt. Immer aufregend", sagte Mehdorn mit zittriger, brüchiger Stimme und fast zu Tränen gerührt. "Wir Bahner haben in dieser Zeit gemeinsam unheimlich viel erreicht. Das hätte uns Ende 1999, als ich zur DB kam, wirklich niemand zugetraut. Darauf blicke ich mit Dankbarkeit und auch einem gewissen Stolz zurück", fügte er hinzu.

ddp