Die Skala scheint nach unten offen zu sein. Weitere Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Konjunkturprognose für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) rechnet für das laufende Jahr nun mit einem Rückgang des BIP um 4,3 Prozent, die Commerzbank spricht gar von einem Minus von sieben Prozent.

Wer bietet mehr?
Ohne die prognostizierten Wirkungen durch das Konjunkturprogramm im zweiten Quartal 2009 wäre das Schrumpfen noch dramatischer, teilte das RWI am Montag in Essen mit. Für 2010 rechnen die Forscher mit einem leichten Anstieg der Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent. Ende vergangenen Jahres war das RWI noch von einem BIP-Rückgang von 2,0 Prozent für 2009 ausgegangen.
Nach Ansicht des Instituts zeigen die Prognosen insgesamt, dass die Finanzkrise stärker auf Deutschland durchgeschlagen habe als auf andere Länder des Euroraums. Zugleich erwarten die Forscher im Jahresverlauf einen Anstieg der Zahl der Arbeitslosen um 1,1 Millionen. Im Jahresschnitt hätten demnach 2009 mehr als 3,7 Millionen Menschen keinen Job, 2010 sogar 4,6 Millionen.
Das Düsseldorfer Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erwartet eine Schrumpfung des BIP um 5,0 Prozent. "Die globale Wirtschaftsleistung befindet sich im freien Fall", erklärte das IMK am Montag. Die deutsche Wirtschaft sei von der Abwärtsspirale der Weltwirtschaftskrise besonders stark betroffen, vor allem weil sie sich im vergangenen Jahrzehnt ausgeprägt auf den Export konzentriert habe. Im Januar hatten die Düsseldorfer Wirtschaftsforscher noch ein BIP-Minus von lediglich 2,4 Prozent vorausgesagt. "Angesichts der bedrückenden wirtschaftlichen Entwicklung bedarf es einer konsequenten Reaktion seitens der Wirtschaftspolitik", forderten die Ökonomen. Dazu gehöre ein drittes Konjunkturprogramm für 2010.
Die Commerzbank rechnet für das laufende Jahr sogar mit einem BIP-Rückgang um bis zu sieben Prozent. Das berichtet die "Welt" (Montagausgabe) unter Berufung auf eine Analyse der Bank. Damit lege die Commerzbank die bislang pessimistischste Prognose für Deutschland vor. Bislang war das Finanzinstitut mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um drei bis vier Prozent ausgegangen.
ddp