Wirtschaftseinbruch Wettlauf um die schlechteste Konjunkturprognose

Die weltweite Wirtschaftskrise könnte Deutschland in diesem Jahr deutlich stärker treffen als bislang erwartet. Derzeit könne niemand sagen, "wie tief es runter geht", sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Die Konjunkturforscher überbieten sich zur Zeit mit ihren Prognosen von Rekordrückgängen.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück: zwischen Dementieren und Lamentieren. Foto: ddp

Wettlauf um die schlechteste Konjunkturprognose

Steinbrück hält es für möglich, dass die Rezession in Deutschland schärfer ausfällt als bislang angenommen. Offiziell geht die Regierung zwar noch davon aus, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 2,25 Prozent schrumpfen wird, nachdem sie im vergangenen Jahr noch um 1,3 Prozent zugelegt hatte. "Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass wir die 2,25 Prozent nicht halten können", sagte der Minister.

Wie die "Financial Times Deutschland" vorab unter Berufung auf "interne Berechnungen der Regierung" berichtete, wird für 2009 mit einem BIP-Rückgang von bis zu fünf Prozent gerechnet. Wirtschaftsstaatssekretär Walther Otremba wies den Bericht umgehend zurück. "Definitiv nein, es gibt auch keine neuen Rechnungen im Haus", sagte Otremba der Wirtschaftsnachrichtenagentur Dow Jones Newswires.

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sieht die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um "mehr als vier Prozent" schrumpfen. Im Dezember war er noch von einem Rückgang von 2,2 Prozent ausgegangen. Bereits am 17. März hatte das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) seine Prognose für 2009 von minus 1,9 auf minus 4,8 Prozent weiter abgesenkt.

Dabei ist die Wirtschaftskrise in Deutschland offenbar noch gar nicht richtig angekommen. "In Deutschland spüren wir die Krise eigentlich noch nicht wirklich", sagte Sinn. In der zweiten Jahreshälfte 2009 und im kommenden Jahr werde die Krise jedoch "voll durchschlagen". Für 2010 sei deshalb noch keine Erholung zu erwarten. "Die Arbeitslosenzahlen gehen nächstes Jahr deutlich hoch", prognostizierte Sinn.

"Das Jahr 2010 wird nicht gut", warnte Sinn und forderte angesichts der dramatischen Situation ein weiteres Konjunkturprogramm in der zweiten Jahreshälfte, das dann seine volle Wirkung 2010 entfalten sollte. Doch Forderungen nach neuen Konjunkturpaketen erteilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur gleichen Zeit im Bundestag eine klare Absage.

Unterdessen senkte auch der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für die Weltwirtschaft: Der Fonds rechnet nun mit einer globalen Schrumpfung der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 0,5 bis 1,0 Prozent. Im Januar hatte der IWF noch ein kleines Wachstum von 0,5 Prozent vorhergesagt. Für 2010 erwarten die IWF-Experten einen Zuwachs um 1,5 bis 2,5 Prozent, allerdings nur, wenn sich die Finanzmärkte stabilisieren. Auch hiermit wurde die Prognose gesenkt, zuvor war ein Wachstum von 3,0 Prozent prognostiziert worden.

ddp