Statistisches Bundesamt Deutsche Wirtschaft auf Talfahrt

Die deutsche Wirtschaft ist angesichts der weltweiten Konjunktur- und Finanzmarktkrise im vierten Quartal des vergangenen Jahres so stark eingebrochen wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr.

Deutsche Wirtschaft auf Talfahrt

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) reduzierte sich von Oktober bis Dezember gegenüber dem Vorquartal um 2,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ökonomen hatten nur einen Rückgang von 1,8 Prozent erwartet.

Die deutsche Wirtschaft brach im vierten Quartal so stark ein wie seit 1987 nicht mehr. Im ersten Quartal 1987 war das BIP in Deutschland wegen eines sehr kalten Winters und einem damit verbundenen Einbruch der Bautätigkeit um 2,5 Prozent abgestürzt. Eine rückläufige Wirtschaftsentwicklung war bereits im dritten und zweiten Quartal 2008 verzeichnet worden, in denen das BIP um jeweils 0,5 Prozent gesunken war. Lediglich in den ersten drei Monaten 2008 war die deutsche Wirtschaft gewachsen, und zwar um 1,5 Prozent.

Dadurch konnte die Wirtschaft 2008 noch auf ein jahresdurchschnittliches Wachstum von 1,3 Prozent kommen. Dennoch steckt Deutschland seit dem Frühjahr 2008 in einer Rezession. Für 2009 befürchten Ökonomen den stärksten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Einige Experten sagen mittlerweile einen BIP-Rückgang für das Gesamtjahr von mehr als drei Prozent voraus.

Auch in der Eurozone brach die Wirtschaft im vierten Quartal drastisch ein. Das BIP schrumpfte um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal und damit so stark, wie seit Gründung der Eurozone 1999 nicht mehr, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Minus von 1,3 Prozent gerechnet. Bereits im zweiten und dritten Quartal war die Euro-Wirtschaft um jeweils 0,2 Prozent geschrumpft. Im ersten Quartal war noch ein Wachstum von 0,7 Prozent verzeichnet worden.

"Damit ist die Wirtschaft in der schwersten Rezession der Nachkriegsgeschichte angekommen", kommentierte Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe die neuesten Zahlen. Mario Gruppe von der NordLB sprach von einem "Katastrophenquartal". "Die Rezession hat uns damit weiter fest im Griff", sagte er. Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer meinte, dass das BIP in Deutschland im ersten Quartal nochmals dramatisch zurückgehen dürfte. Dem schloss sich auch Jörg Lüschow von der WestLB an. Erst für die zweite Jahreshälfte rechne er mit einer "zaghaften Erholung".

Ralf Beunink/ddp