Der Autohersteller Audi wird im Februar rund 25.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Auch Ford Deutschland kündigte an, auf die akute Absatzkrise mit Kurzarbeit zu reagieren. Die beiden Unternehmen komplettieren damit die Liste prominenter deutscher Autohersteller. Auch Opel, Volkswagen, Daimler und BMW versuchen mit dem Mittel der Kurzarbeit, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern.
Kurzarbeit bei Audi, Ford, VW, BMW, Daimler und Opel
Audi schickt im Februar rund 25.000 Mitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm in Kurzarbeit. Die Produktion soll an sechs Tagen vom 20. bis 27. Februar stillstehen. Betroffen seien mehr als 16.000 Beschäftigte in Ingolstadt und etwa 8.000 in Neckarsulm. Durch den Produktionsstopp würden rund 12.000 Autos weniger produziert.
"Wir reagieren damit auf die negative Entwicklung der Nachfrage auf den weltweiten Automobilmärkten", sagte Audi-Personalvorstand Werner Widuckel. Die Gesamtnachfrage auf einigen großen Märkten gerade in den letzten Wochen habe so stark nachgelassen, dass sie gezwungen seien, zu handeln.
Auch Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes warnte angesichts der Wirtschaftskrise vor wachsenden Überkapazitäten in der Branche. Schon jetzt gebe es im Automarkt weltweit 20 Millionen Fahrzeuge zu viel, und diese Zahl werde um weitere sieben Millionen wachsen, sagte Mattes dem "Handelsblatt". Die Tochter des US-Autoherstellers Ford prüft bisher noch den Umfang der Kurzarbeit in den Werken Saarlouis und Köln. Zudem soll die Produktion mittels Freischichten und dem Abbau von Arbeitszeitkonten gedrosselt werden.
Am Dienstag hatten bereits die Autohersteller Volkswagen und BMW angekündigt, gegen die Absatzflaute Kurzarbeit einzusetzen. Zuvor hatten schon der Stuttgarter Konkurrent Daimler, die General-Motors-Tochter Opel und der Münchener Lkw- und Motorenhersteller MAN erklärt, diese Maßnahme zu nutzen. Auch zahlreiche Autozulieferer, wie Bosch und Continental, haben die Arbeitzeiten ihrer Mitarbeiter gekürzt.
Doch nicht nur die Autoindustrie und deren Zulieferer werden von der globalen Konjunkturschwäche zunehmend in Mitleidenschaft gezogen. Deutschlands größter Stahlkonzern ThyssenKrupp reagierte ebenfalls mit Kurzarbeit auf den anhaltenden Rückgang der Stahlnachfrage. Im Februar würden 16.000 Mitarbeiter der Stahlsparte in Kurzarbeit geschickt, kündigte der Sprecher von ThyssenKrupp Steel auf Anfrage an. Insgesamt sind in dem Stahlsegment dem Sprecher zufolge 41.000 Menschen tätig. Von der Kurzarbeit seien fast alle Werke betroffen.
Nach Angaben des Sprechers wird neben der Kurzarbeit die Produktion gedrosselt oder auch stillgelegt. Allerdings würden die Hochöfen nicht ausgemacht. Sie führen lediglich auf dem technisch untersten Level. Jetzt werde jeden Monat mit den Arbeitnehmervertretern neu ausgehandelt, wie viele Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt würden, kündigte der Sprecher an.
Die Klebstoffsparte tesa des Beiersdorf-Konzerns hat unterdessen Kurzarbeit für das Werk in Hamburg-Hausbruch angemeldet. Von der Kurzarbeit ab 1. März sind 420 Mitarbeiter betroffen. "Die anhaltende Nachfrageschwäche im gesamten Industriesegment macht diesen Schritt unausweichlich", sagte der tesa-Vorstandsvorsitzende Thomas Schlegel. Zudem teilte die Deutsche Bahn mit, dass sie mit dem Betriebsrat der Güterverkehrssparte Railion über Kurzarbeit verhandeln wolle.
ddp