Doppelt gebeutelt in der Krise

Wenn’s am Ende die Familie trifft
Umsätze brechen weg, Kunden müssen Insolvenz anmelden und Kredite sind nur schwer zu bekommen. Familienunternehmen können in einer solchen Situation gleich doppelt gebeutelt sein. Der Grund: Unternehmen und Unternehmerfamilie sind oftmals gleichermaßen betroffen. Denn im Unterschied zu anderen Unternehmensformen finden oft parallele Krisenprozesse statt, die sich gegenseitig beeinflussen. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass im Verlauf einer Krise des Unternehmens zusätzlich eine Krise in der Familie ausbricht. So kann unter anderem ein geschlossenes Auftreten positiv zur Krisenbewältigung beitragen. Dies kann sich jedoch in sein Gegenteil verkehren, wenn die Geschlossenheit zu einer „Taubheit“ gegenüber den Forderungen der Banken führt. Auch die Bereitschaft einer Familie, weite Teile des Privatvermögens zur Rettung einzusetzen, kann sich ins Gegenteil verkehren: Werden mit dem „frischen Geld“ nicht zeitgleich notwendige Sanierungsmaßnahmen vorgenommen, findet mittelfristig nur eine Vernichtung von Kapital statt. Als Gegenmaßnahmen sind in Unternehmen, die stark vom Know-how des Gründers oder des Familienpatriarchen leben, frühzeitig Notfallpläne zu definieren. Hilfreich ist die Einrichtung eines Aufsichts- und Kontrollgremiums, das nicht mit Sportfreunden, sondern mit Kompetenz und externem Sachverstand besetzt ist.
Buchtipp: Tom A. Rüsen, „Krisen und Krisenmanagement in Familienunternehmen Schwachstellen erkennen, Lösungen erarbeiten, Existenzbedrohungen abwenden“, Gabler Verlag, 305 Seiten, 46,90 Euro, ISBN: 978-3-8349-1128-5