Der Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna Gruppe, Reinhold Schulte, äußert sich zur Finanzkrise, zur Zukunft der privaten Krankenversicherung und zum Gesundheitsfonds. Interview: Roman Leuthner

"Gleichmacherei löst keine Probleme"
DHZ: Herr Schulte, machen Sie sich wegen der Finanzkrise Sorgen – nicht nur aufgrund ihrer Folgen für die Gesamtwirtschaft, sondern auch hinsichtlich der Finanzdienstleistungen der SIGNAL IDUNA Gruppe?
Schulte: In Anbetracht der gesamten Krise mache ich mir schon Sorgen, vor allem, wenn ich das weltweite Volumen sehe, um das es geht. Das größte Problem zurzeit ist, dass niemand weiß, welches Geldinstitut eigentlich noch sicher ist. Und das betrifft die SIGNAL IDUNA Gruppe auch direkt, denn wir verwalten mehr als 40 Milliarden Euro an Kapitalanlagen, Geld unserer Kunden also, das wir jeweils sicher und rentabel anlegen müssen. Dabei konnten wir früher darauf vertrauen, dass Banken, die mit Triple-A, der höchsten Bewertungskategorie also, geratet waren, das auch verdienen. Heute aber? Heute wird aus Triple-A zwei Wochen später plötzlich Triple-B. Man muss also noch genauer als in der Vergangenheit prüfen, wem man das Geld seiner Kunden anvertrauen kann, und man tut sich schwer, sich heute noch auf die Angaben von Rating-Agenturen zu verlassen.
DHZ: Inwiefern trifft dieser Vertrauensverlust auch die SIGNAL IDUNA Gruppe?
Schulte: Wir haben unsere Aktienquote bereits im November 2007 von mehr als zehn auf unter drei Prozent gesenkt. Und wir haben vor einem halben Jahr den Aktienanteil nochmals zurückgefahren, auf unter ein Prozent. Für die Gruppe ist dieser Wert also nicht belastend.Trotzdem gibt es auch bei uns Abschreibungen. Das kann man als institutioneller Anleger leider nicht ausschließen.
DHZ: Und die anderen Engagements?
Schulte: Die zur Gruppe gehörende Conrad Hinrich Donner Bank AG ist überhaupt nicht betroffen. Dasselbe gilt für die SIGNAL IDUNA Bauspar AG und die HANSAINVEST GmbH.
DHZ: Das Geld Ihrer Anleger haben Sie also nicht nach Island transferiert?
Schulte (lacht): Nein, deshalb müssen wir auch nicht nach Island fliegen, sondern können hier bleiben.
DHZ: Dafür halten Sie sich als Sach- und Lebensversicherer ab und an in osteuropäischen Regionen auf, in Ungarn und Polen beispielsweise. Planen Sie eine Ausweitung des Geschäfts?
S chulte: Ja. Wir bereiten gerade den Einstieg in den rumänischen Markt vor. Die Genehmigung der dortigen Aufsicht haben wir bereits. Auch andere osteuropäische Staaten gehören sicherlich zu den Zukunftsmärkten.
DHZ : Was ist mit dem deutschen Markt?
Schulte: Auch hierzulande werden wir expandieren. Wir müssen aber nicht mehr um jeden Preis wachsen, denn mit Beitragseinnahmen von rund 4,6 Milliarden Euro und gut 40 Milliarden Euro an Kapitalanlagen gehören wir zu den ‚Top Ten’ der deutschen Versicherer. Wir sind also sicherlich groß genug. Zudem haben wir gerade sowohl einen Kauf als auch eine Fusion hinter uns gebracht. Gleichwohl können wir uns weitere Zukäufe und Fusionen unter unserem Dach durchaus vorstellen.Ich denke aber, dass das Wachstum der Versicherungswirtschaft in Deutschland 2009 geringer ausfallen dürfte als 2008, denn die Menschen überlegen nach all den negativen Erlebnissen sehr genau – erst die Börsenkrise 2000/2001 und dann jetzt noch einmal –, wie sie ihr Geld anlegen. Das gilt ebenso für die Lebensversicherung. Trotzdem, oder auch gerade deshalb, sage ich eine Renaissance der ‚alten’ Kapital bildenden Lebensversicherung voraus.
DHZ: Ab in den sicheren Hafen also?
Schulte: Genau. In den sicheren Hafen mit 2,25 Prozent garantierter Mindestverzinsung. Und wir haben ja auch für 2009 angekündigt, dass wir bei unserer Überschussbeteiligung in Höhe von 4,3 Prozent und einem Schlussüberschussanteil von 0,35 Prozent bleiben werden. Diese, zusammengerechnet, 4,65 Prozent stehen doch für eine exzellente Überschussbeteiligung.