Gasstreit eskaliert EU will Gas-Bosse in die Pflicht nehmen

Der Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland ist eskaliert. Der Vizechef des russischen Gaskonzerns Gazprom, Alexander Medwedew, bestätigte, dass die Ukraine alle Pipelines nach Europa abgesperrt habe. Die Ukraine berichtete hingegen, dass Russland die Lieferungen eingestellt habe.

Ein Bild mit Vergangenheitswert: Im Moment strömt durch die ukrainischen Gaspipelines nur noch Luft. Foto: ddp

EU will Gas-Bosse in die Pflicht nehmen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin und die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko per Telefon auf, sich schnell an den Verhandlungstisch zurückzubegeben. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sagte, die Gesprächspartner seien übereingekommen, dass Experten klären sollen, wo die Ursache für die Durchleitungsprobleme liegt.

Zuvor hatte bereits $(LEhttp://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/news/News-Glos-Gasversorgung-ist-gesichert_2957120.html:Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) im Gasstreit zur Einigung gemahnt.|_blank)$ Russland und die Ukraine dürften in ihrem Streit nicht andere Länder als Geiseln nehmen. Gleichzeitig beruhigte er die deutschen Verbraucher. In Deutschland gebe es derzeit noch Gasreserven für rund drei Monate, die aufgrund der kalten Witterung allerdings schneller schrumpfen könnten, sagte Glos im "ARD-Morgenmagazin". Im Gegensatz zu anderen Ländern sei die Bundesrepublik nicht ausschließlich auf russische Lieferungen angewiesen.

Bereits heute will der Auswärtige Ausschuss des EU-Parlaments zusammen mit dem Gazprom-Chef Alexej Miller sowie dem Vize des ukrainischen Versorgers Naftogaz, Igor Didenko, über den Gasstreit diskutieren. An dem Treffen nehmen nach Parlamentsangaben auch Politiker beider Länder teil.

Pöttering nimmt Gas-Bosse in die Pflicht

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering, will bei dem Treffen Russland und die Ukraine auf die Einhaltung der Verträge mit der EU verpflichten. "Wir erwarten, dass Russland seine Verpflichtungen einhält. Und wir erwarten, dass die Ukraine dabei kein Hindernis darstellt", sagte Pöttering der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er werde keinen Zweifel daran lassen, "dass die EU auf Vertragstreue besteht".

Pöttering kündigte an, im Gespräch mit dem Chef des größten russischen Energiekonzerns Gasprom, Alexij Miller, und mit einer Spitzendelegation der staatlichen ukrainischen Gesellschaft Naftogas werde er klarmachen: "Wir brauchen Verlässlichkeit, Planungssicherheit und Vertrauen. Hier haben wir ganz klare Erwartungen an Russland und die Ukraine."

Engpässe noch nicht zu spüren

Unterdessen berichten immer mehr Gasversorger von Lieferausfällen, die aber über andere Leitungen und Lieferanten kompensiert würden. Kunden spürten die Folgen des Streits derzeit noch nicht. Der Versorger Wingas erklärte, dass Russland mittlerweile mehr Erdgas über die Nordroute, die sogenannte Jamal-Europa-Pipeline, durch Weißrussland und Polen nach Deutschland sende. Zu Versorgungsengpässen werde es für Wingas-Kunden nicht kommen. Das Unternehmen betreibt an der deutsch-polnischen Grenze nahe Frankfurt/Oder nach eigenen Angaben eine der wichtigsten Übergabestationen für russisches Erdgas. Der Energiekonzern RWE erklärte, dass der Ausfall der Lieferungen über die Ukraine mit zusätzlichen Mengen aus Norwegen sowie durch eigene Vorräte ausgeglichen werden könne. Der ostdeutsche Importeur Verbundnetz Gas AG (VNG) ist nach eigenen Angaben ebenfalls vom Gasstreit betroffen. Minderlieferungen würden jedoch zum Großteil durch die sogenannte Nord-Pipeline ausgeglichen. Zudem beziehe die VNG momentan mehr Gas aus Deutschland und Norwegen und zapfe auch die Speicher an, deren Kapazität im Notfall für mehrere Wochen reiche.

Unterdessen kann einem Bericht der Zeitung "Die Welt" zufolge der norwegische Energiekonzern StatoilHydro ASA den Ausfall der russischen Erdgas-Lieferungen nicht ausgleichen. "Wir produzieren bereits mit voller Kapazität", sagte die Konzernsprecherin Rannveig Stangeland dem Blatt. Der weitaus größte Teil der Erdgas-Produktion sei über langfristige Verträge bereits verkauft. Die westeuropäischen Abnehmer würden in den Wintermonaten die vertraglich vereinbarte Bandbreite beim Erdgas-Bezug aus Norwegen in der Regel voll ausschöpfen.

ddp