Abwärtstrend unvermeidbar

Handwerkswirtschaft: Konjunkturpakete mildern Abschwung

Abwärtstrend unvermeidbar

Das Handwerk hat sich 2008 angesichts zunehmender Verschlechterung des konjunkturellen Umfeldes noch gut behauptet. Die Beschäftigung und die Realumsätze konnten weitgehend stabil gehalten werden. Im Jahr 2009 steht die Entwicklung der Handwerkswirtschaft im Zeichen der Konjunkturkrise. Von der schwersten gesamtwirtschaftlichen Rezession in der Nachkriegszeit werden alle Handwerksbranchen mehr oder weniger stark betroffen sein. Um den Wirtschaftseinbruch abzumildern, hat die Bundesregierung die Konjunkturpakete I und II auf den Weg gebracht. Wenn diese rasch und deutlich ihre Wirkung entfalten, könnte das Handwerk vergleichsweise glimpflich durch die Krise kommen: Die nominalen Umsätze dürften bei leicht sinkender Beschäftigung nur moderat abnehmen.

Die Beschäftigung ist 2008 im Jahresdurchschnitt weitgehend stabil geblieben. Gegen Ende des vergangenen Jahres begann aber der Konjunkturabschwung allmählich auf die Personalentwicklung in einigen Handwerksbereichen auszustrahlen. In den ersten Monaten des Jahres 2009 hat darüber hinaus der ungewöhnlich lange Winter zu einem stärkeren Personalrückgang geführt als sonst üblich. Im weiteren Jahresverlauf dürfte die Ausbreitung der Rezession die Beschäftigung weiter unter Druck setzen. Andererseits versuchen die Handwerksunternehmen, ihre Stammbelegschaft so lange wie möglich zu halten, um angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels für die Zeit nach der Krise gerüstet zu sein. Vor diesem Hintergrund werden sich die Betriebe trotz der schwierigen Rahmenbedingungen weiterhin bemühen, ihr hohes Ausbildungsengagement konsequent fortzuführen. Schließlich werden die Konjunkturpakete der Bundesregierung auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen beitragen; insbesondere das Baugewerbe sollte davon profitieren. Gleichwohl wird wegen der tiefen gesamtwirtschaftlichen Rezession ein Stellenabbau auch im Handwerk nicht zu vermeiden sein. Das Beschäftigungsniveau dürfte im Jahresmittel 2009 voraussichtlich um 1,0 Prozent auf 4,8 Millionen Personen fallen.

Die Umsätze nahmen im Jahr 2008 nominal zwar noch zu, preisbereinigt stagnierten sie jedoch. Die Umsatztätigkeit des Handwerks wird im Prognosezeitraum von zwei gegenläufigen Einflussgrößen geprägt: Einerseits wird sich die rezessive Grundtendenz in allen Branchen – wenngleich in sehr unterschiedlichem Ausmaß – bemerkbar machen. Andererseits werden die Konjunkturpakete I und II, welche die Bundesregierung im November 2008 und Januar 2009 verabschiedet hat, positive Auswirkungen auf die Absatzentwicklung haben. Von den Nachfrage stützenden Effekten sollten die beiden Schlüsselbereiche des Handwerks besonders profitieren: Im Bau- und Ausbaugewerbe werden die bereitgestellten Mittel für öffentliche Investitionen in die Infrastruktur den Auftragseinbruch im gewerblichen Bau abfedern. Die Kraftfahrzeugbranche erhält durch die Verschrottungsprämie und die Kfz-Steuerreform Impulse für das Neuwagengeschäft. Schließlich könnten die beschlossenen Steuer- und Abgabenentlastungen sowie die verbesserten familienbezogenen Leistungen die Verkaufsaktivitäten der konsumnahen Gewerke tendenziell stützen. Die fiskalpolitischen Maßnahmen werden den konjunkturbedingten Umsatzrückgang zwar nicht verhindern, ihn aber spürbar abbremsen. Bei Abwägung aller positiven und negativen Faktoren scheint ein nominales Minus von bis zu 1,0 Prozent wahrscheinlich zu sein. In realer Betrachtung könnte die Konjunkturentwicklung im Handwerk damit nicht ganz so ungünstig verlaufen wie in der Gesamtwirtschaft.

Die Investitionsausgaben sind 2008 nochmals leicht gestiegen. Allerdings hat sich im Laufe des Jahres die Investitionsbereitschaft der Betriebe stetig abgeschwächt. Der Negativtrend wird sich 2009 beschleunigt fortsetzen. Die Anschaffungsneigung für Fahrzeuge, Maschinen und andere Ausrüstungsgüter leidet vor allem unter der sinkenden Kapazitätsauslastung und den merklich eingetrübten Geschäftsaussichten. Zudem dürfte sich der jüngste Investitionsstau weitgehend aufgelöst haben. Darüber hinaus haben sich im Zuge der globalen Finanzmarktkrise die Kreditbedingungen verschlechtert. So fordern die Banken in erster Linie größere Sicherheiten und höhere Zinsen. Eine allgemeine Kreditklemme besteht laut einer Blitzumfrage der KfW-Bankengruppe aber nicht. Anregend auf die Investitionstätigkeit wirkt die 2009 und 2010 wieder mögliche degressive Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter in Höhe von 25 Prozent. Auch vom anhaltenden Modernisierungs- und Rationalisierungsdruck dürften investitionsstützende Effekte ausgehen. Insgesamt ist jedoch für dieses Jahr eine Kürzung des Investitionsbudgets um etwa 4,0 Prozent zu erwarten.

Die Ertragskraft ist im vergangenen Jahr wieder stärker unter Druck geraten, nachdem 2007 eine gewisse Stabilisierung festzustellen war. Im Jahr 2009 dürfte sich die Gewinnsituation tendenziell weiter verschlechtern. Denn mit Ausnahme der gefallenen Energie- und Rohstoffpreise gibt es einige Belastungsfaktoren: Zum einen ermöglichen die grundsätzliche Nachfrageschwäche und der immer härtere Wettbewerb allenfalls sehr begrenzte Verkaufspreisanhebungen. Zum anderen werden insbesondere die Lohnkosten die Ertragsmargen schmälern, weil die Handwerksbetriebe traditionell nur sehr zögernd mit Personaleinsparungen auf die Umsatzverluste reagieren. Unter diesen Umständen ist in den kommenden Monaten ein Anstieg der Insolvenzen abzusehen.