Und schon wieder eine Hiobsbotschaft: Das Bundeswirtschaftsministerium erwartet die schlimmste Rezession seit dem Jahr 1950. Der Mittelstand kündigte an, von einem pauschalen Verzicht auf Kündigungen abzusehen.
Wirtschaftsministerium rechnet mit starker Rezession
Aus internen Berechnungen des Bundeswirtschaftsministeriums geht hervor, dass das Bruttoinlandsprodukt um drei Prozent oder mehr schrumpfen wird. Das meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Dies wäre noch pessimistischer als die jüngsten Prognosen der Wirtschaftsinstitute. Die Regierung geht offiziell noch von einem Wachstum von 0,2 Prozent für 2009 aus.
Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft hält sich angesichts der Prognosen mit Jobzusagen zurück. "Lippenbekenntnisse helfen niemandem", sagte Präsident Mario Ohoven. Er sei jedoch davon überzeugt, dass die mittelständischen Unternehmen "auch 2009 trotz schwierigster Rahmenbedingungen ihrer beschäftigungspolitischen Verantwortung gerecht werden".
Auch der Präsident des Verbands der Familienunternehmen, Patrick Adenauer, lehnte eine Selbstverpflichtung der mittelständischen Unternehmen ab. Niemand könne wissen, wie sich die Lage 2009 entwickeln werde. "Eine Garantie, dass es keine Entlassungen geben wird, kann die Wirtschaft insgesamt nicht abgeben", sagte auch Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Ulrich Brocker. Allerdings werde jeder einzelne Betrieb alles tun, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Brocker forderte die Arbeitnehmer und ihre Vertretungen in den Unternehmen auf, durch Zugeständnisse beim Gehalt die Beschäftigungssicherung zu ermöglichen.
DIW für Stopp der Konjunkturprognosen
Wegen der schlechter werdenden Vorhersagen zur Wirtschaftsentwicklung plädiert der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann für einen vorübergehenden Prognosestopp. Beim Konjunkturgipfel im Kanzleramt sei darüber gesprochen worden, dass Ökonomen alle verwirren, wenn sie ständig neue Zahlen in die Welt setzten, sagte Zimmermann der "Financial Times Deutschland".
"Ich habe gesagt, man könnte sich vorstellen, eine Zeit lang keine Prognosen vorzulegen. Das ist eine Frage der intellektuellen Redlichkeit", sagte er dem Blatt. Der DIW-Präsident rechnete vor: "In den meisten Modellen, die wir für unsere Vorhersagen nutzen, kommen keine Finanzkrisen vor. Und wenn sie vorkommen, dann ist diese Krise so spezifisch, dass wir sie nicht erfassen können. Wir können sagen, da passiert was Schlimmes, aber wie schlimm es wird, können wir nicht sagen."
Es könne kein Bankenvolkswirt oder Institutsforscher gezwungen werden, auf Prognose zu verzichten, sagte Zimmermann. Es würde natürlich Sinn ergeben, wenn alle aufhören. "In einer Mediengesellschaft wird das aber nicht durchzuhalten sein." Der Vorschlag sei daher auch nicht ernsthaft zu Ende diskutiert worden.
Der DIW-Forscher fürchtet "sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Das wäre hier der Fall". Wie Politiker generell keinen Subventionswettlauf machen sollten, um jeden Betrieb vor der eigenen Haustür zu retten, sollten auch Konjunkturbeobachter keinen Wettlauf um die schlechtesten Zahlen machen.
ddp