Das Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung hat nun noch deutlichere Schrumpfung des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) vorhergesagt als das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) einen Tag zuvor.

Ifo-Institut sieht Deutschland auch 2010 noch in der Rezession
Die Münchener Wirtschaftsforscher erwarten für 2009 einen BIP-Rückgang um 2,2 Prozent und für 2010 um 0,2 Prozent nach einem Wachstum von 1,5 Prozent in diesem Jahr. In seiner letzten Konjunkturprognose im Juni hatte das Institut noch ein Wachstum von 2,4 Prozent in diesem und 1,0 Prozent im kommenden Jahr erwartet.
Das RWI hatte für 2009 die schwerste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik vorhergesagt. Die Essener Wirtschaftsforscher erwarten für kommendes Jahr einen Rückgang des BIP um 2,0 Prozent und für 2008 einen BIP-Zuwachs um 1,5 Prozent.
Die Bundesregierung hatte allerdings dessen ungeachtet klargestellt, dass sie derzeit keine Revision ihrer eigenen Wachstumsprognose für 2009 plant. Diese geht nach wie vor von 0,2 Prozent Wachstum im Jahr 2009 aus.
"Im kommenden Jahr stehen die Konjunkturampeln auf rot", betonte das Ifo-Institut. Die deutsche Wirtschaft, die zuvor aufgrund ihrer außenwirtschaftlichen Ausrichtung in besonderem Maße von dem kräftigen weltwirtschaftlichen Aufschwung profitiert habe, gerate nun umgekehrt in besonderem Maße in den Abwärtssog, den die Finanzkrise weltweit ausgelöst habe.
Der private Konsum dürfte trotz steigender realer Durchschnittslöhne nur wenig vorankommen, erklärten die Ökonomen. Ausschlaggebend sei der deutliche Rückgang der Beschäftigung, zudem bleibe die Sparquote angesichts der Finanz- und Vertrauenskrise hoch.
"Erst im Jahr 2010 ist mit dem allmählichen Abebben der Finanzkrise und der leichten Besserung des internationalen Umfelds eine Stabilisierung zu erwarten", erklärten die Konjunkturforscher. Jedoch werde das reale BIP im Jahresdurchschnitt immer noch um 0,2 Prozent sinken.
Die Arbeitsnachfrage werde im Prognosezeitraum einbrechen. Daher werde sich die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent in diesem Jahr auf 8,0 Prozent und 2010 auf 9,2 Prozent ansteigen. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte dann im Jahresdurchschnitt "fast die Marke von vier Millionen erreichen".
Glos präsentiert neuen Konjunkturvorstoß
Die CSU macht Unions-intern weiter Druck für rasche Steuersenkungen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sprach sich in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin für rasche Steuersenkungen aus und präsentierte eigene Vorstellungen. "Wir müssen in dieser schwierigen Phase die Kaufkraft stärken". Dabei trete die Haushalts-Konsolidierung in den Hintergrund.
Glos forderte eine Steuersenkung, auch rückwirkend, zum 1. Januar 2009. Der Grundfreibetrag soll von 7664 auf 8000 Euro steigen. Weiterhin soll es einen linearen Steuertarif geben. Diese Vorschläge brächten eine jährliche Entlastung um 25 Milliarden Euro, was rund einem Prozent des BIP entspreche, sagte Glos weiter. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer sagte, die Landesgruppe unterstütze die Vorschläge. Glos hatte diese zuvor schriftlich an CSU-Chef Horst Seehofer geschickt. Die CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin Angel Merkel hatte sich bislang gegen schnelle Steuererleichterungen ausgesprochen.
Glos sagte, man müsse "auch wegen der internationalen Erwartungen" einen größeren Betrag in die Hand nehmen, um die Krise zu bekämpfen.
ddp