Das Handwerk befürchtet für das kommende Jahr ein Umsatzminus, sollte die Regierung mit weiteren Investitionsimpulsen und Entlastungen bei Steuern und Abgaben nicht massiv gegensteuern. Von Karin Birk, Berlin
Handwerk befürchtet 2009 ein Umsatzminus
"Wir betreiben hier keine Schwarzmalerei", sagte ZDH-Präsident Otto Kentzler. Ziel des Handwerks sei, auch 2009 das nominale Umsatzniveau und die Beschäftigung zu halten. "Angesichts der rapiden Verschlechterung der Lage auf den globalen Märten muss jedoch eher mit einem deutlichen Minus bei den Umsätzen gerechnet werden", fügte er hinzu. Auch werde man einem leichten Beschäftigungsabbau wohl kaum entkommen.
Für 2008 erwartet der ZDH aufgrund des guten Auftakts zu Jahresbeginn insgesamt noch einen nominalen Umsatzzuwachs auf 495,5 (Vorjahr: 490,5) Milliarden Euro und eine stabile Beschäftigung von rund 4.837.000 Mitarbeitern.
Wie Kentzler sagte, hat allerdings im dritten Quartal 2008 die konjunkturelle Schubkraft im Handwerk nachgelassen. "Mit 30 Prozent meldet inzwischen fast jeder dritte Betrieb Umsatzeinbußen." Seit Oktober führten die Probleme in der Automobilindustrie vor allem bei den handwerklichen Zuliefern und dem Kfz-Gewerbe zu Rückgängen. Aber auch andere Branchen meldeten Auftragsstornierungen. Anders als bisher könnten handwerkliche Zulieferer und Dienstleister der Industrie nicht mehr ihre Wirkung als "Lokomotive für die für die Handwerkskonjunktur" entfalten.
Förderprogramme für energetische Gebäudesanierung verstärken
Der Handwerksverband hält deshalb auch nach einem ersten Konjunkturprogramm der Bundesregierung noch weitere die Wirtschaft stützende Maßnahmen des Staates für notwendig: "Die für energetische Gebäudesanierung vorgesehenen Förderprogramme müssen – über die bereits vorgesehene Mittelaufstockung – weiter verstärkt werden", forderte Kentzler. Die bisher um rund 500 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro aufgestockten Förderprogramme reichten noch nicht aus, ergänzte auch ZDH-Konjunkturexperte Peter Weiss. Zudem müsste die Kfz-Steuer umgehend reformiert und auch leichte und mittelschwere Lastwagen bei der Nachrüstung von Rußfildern gefördert werden.
Darüber hinaus bekräftigte der ZDH seine Forderung, die kalte Progression bei der Lohn- und Einkommensteuer zu beseitigen. Dies könnte eine Entlastung von rund acht Milliarden Euro bringen, rechnete ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer vor. Eine noch schnellere Entlastung von bis zu fünf Milliarden Euro könnte auch ein stufenweiser Abbau des Solidaritätszuschlags von 5,5 auf 3,3 Prozent bringen, ohne dabei den Solidaritätspakt zu gefährden.
Ganz entschieden warnte Handwerkspräsident Kentzler auch vor "Gegenfinanzierungen". Die künftige Absetzbarkeit der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung von der Einkommensteuer dürfe nicht durch "eine Streichung der bisherigen Absetzbarkeit von Unfall- und Haftpflichtversicherung" schon 2009 konterkariert werden, denn dann würde eine mögliche Entlastung der Steuerzahler um neun bis zehn Milliarden Euro aufgehoben.
