Institut der deutsche Wirtschaft Köln Die guten Zeiten am Arbeitsmarkt sind vorbei

Wegen der schwachen Konjunktur ist die Zeit der Erfolge am deutschen Arbeitsmarkt im nächsten Jahr offenbar vorbei.

Die guten Zeiten am Arbeitsmarkt sind vorbei

Zwar reagiert der Arbeitsmarkt in der Regel stark verzögert auf konjunkturelle Abschwünge, doch spätestens 2009 werden wohl knapp 35 Prozent der Betriebe nicht umhin kommen, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu reduzieren. Dem stehen nur 19 Prozent der Unternehmen gegenüber, die ihr Personal aufstocken wollen. Das teilte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) bei der Veröffentlichung seiner aktuellen Konjunkturumfrage mit.

In Westdeutschland erwarteten 35,4 Prozent der Unternehmen eine Abnahme der Beschäftigung und 19,2 Prozent eine Zunahme. Im Osten seien es 30,6, die weniger und 16,9 Prozent, die weniger Beschäftigte erwarten. Zu den Ursachen für den Jobabbau verwies IW-Direktor Michael Hüther im Nachrichtensender n-tv auf die Schwäche der Weltmärkte. Der Export verliere "gewaltig an Dynamik". Das drücke auf die Investitionen. "Hinzu kommt ein hohes Maß an Verunsicherung. Man weiß im Grunde nicht genau, wo man im Augenblick steht. Und dies alles führt zu einem solchen Verhalten."

Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sagte anlässlich der Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimas für den Monat November, insgesamt habe sich der konjunkturelle Abschwung verschärft und werde nun auch den Arbeitsmarkt erfassen.

Dagegen wollen die Dienstleister im kommenden Jahr rund 50.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Der Sektor stütze die Beschäftigung in Deutschland und verhindere, dass sich die Finanzmarktkrise stärker auf den Arbeitsmarkt auswirkt, teilte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit. Die Geschäftserwartungen der Serviceanbieter trübten sich zwar aktuell deutlich ein, die Investitions- und Beschäftigungspläne der Dienstleister lägen aber weiter deutlich über der Gesamtwirtschaft.

Unterdessen prüfen offenbar immer mehr Unternehmen mit Hilfe von Rechtsanwälten, wie sie die Rezession meistern können. Anwälte für Arbeitsrecht hätten Hochkonjunktur, sagte Anwalt Dirk Schreiner von der bundesweiten Spezialkanzlei Dr. Schreiner + Partner aus Attendorn im Sauerland. Vor allem produzierende Unternehmen wie Autozulieferer, Chemie- oder Metallindustrie rüsteten sich aktuell mit der Hilfe von Juristen für den wirtschaftlichen Abschwung. "Viele Arbeitgeber fühlen sich unter Zeitdruck und wollen unbedingt noch in diesem Jahr etwas machen, um die Personalkosten zu reduzieren", sagte Schreiner.

Michael Wojtek/ddp