Atomkraft – Ausstieg aus dem Ausstieg?

Streit über den richtigen Weg in der Energiepolitik.

Atomkraft – Ausstieg aus dem Ausstieg?

Pro: Markus Söder, Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Gesundheit: Großbritannien, Frankreich und Schweden machen es vor: Sie setzen wieder auf Kernenergie. Dies hat eine neue Debatte in Deutschland entfacht. Sollen auch wir den Ausstieg aus der Kernenergie rückgängig machen? Wir als Union sagen ja. Aber an verlängerte Laufzeiten knüpfen wir die klare Forderung nach einer Ökodividende. Die Energieversorger sollen einen Teil ihrer stabilen Erträge in erneuerbare Energien und damit in die Zukunft investieren.

Wir brauchen eine intelligente Energiepolitik. In Zeiten von Klimawandel, schrumpfenden Ölvorkommen und hohen Verbraucherpreisen ist die Kernenergie in einem zukunftsgerichteten breiten Energiemix unverzichtbar.

Dazu gehört der Ausbau der erneuerbaren Energien, aber eben auch das Festhalten an der Kernenergie. Der ideologische Ausstieg schadet dem Klima und muss am Ende teuer von den Bürgern bezahlt werden. Wer die Kernenergie durch die Kohlekraft ersetzen will, versündigt sich am Thema. Der Klimaschutz darf dabei nicht außer Acht geraten.

Wenn wir unsere Atomkraftwerke nur jeweils um acht Jahre länger laufen lassen, sparen wir eine Milliarde Tonnen CO2 ein. Durch eine eigene Energieversorgung bleiben wir zudem unabhängig von Russland und Osteuropa. Es ist unehrlich, in Deutschland aus der Kernenergie auszusteigen und gleichzeitig Strom vom tschechischen Atomkraftwerk Temelin zu kaufen. Die Kernenergie ist sicher nur eine Brückentechnologie, bis erneuerbare Energien sie ersetzen können. Bis dahin allerdings gibt es keine umweltverträglichere und versorgungssichere Alternative.

Contra: Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit:

Wer nicht über Endlager reden will, der sollte zu Atomkraft schweigen! Atomkraft ist die Energieform des letzten Jahrhunderts. Ihre Risiken sind kaum beherrschbar, sie ist teuer und hinterlässt große Mengen radioaktiver Abfälle. Weltweit gibt es für hochradioaktiven Müll kein genehmigtes Endlager. Auch in Deutschland ist keine Lösung in Sicht.

Ob der Salzstock Gorleben am besten geeignet ist, kann niemand ohne den Vergleich von Alternativen beurteilen. Wer für die Atomenergie plädiert, aber eine unvoreingenommene Standortsuche nach internationalem Standard ablehnt, ist unglaubwürdig. Atomenergie leistet weder einen nennenswerten Beitrag zur Versorgungssicherheit noch zum Klimaschutz. Denn Atomkraftwerke produzieren nur Strom, aber keine nutzbare Wärme. Autos lassen sich mit dieser Energieform auch nicht antreiben. Folglich können sie den CO2-Ausstoß von Verkehr und Heizung nicht mindern. Sie sind daher kein Klimaschützer. Zudem ist Deutschland zu 100 Prozent von Uranimporten abhängig.

Auch werden durch eine Verlängerung der Laufzeiten die Strompreise nicht sinken. Derzeit laufen die Atomkraftwerke noch, trotzdem sinken die Strompreise nicht. Über den Preis entscheidet die Leipziger Strombörse – und die Marktdominanz der Energieunternehmen.

Jedes Jahr verlängerte Restlaufzeit spült den Energieversorgern mehr als fünf Milliarden Euro in die Kassen. Profiteure der Kernenergie sind nicht die Menschen und ist nicht das Klima. Die Profiteure sind die großen Energieversorger.