Wirtschaftswachstum Dunkle Wolken am Konjunkturhimmel

Immer mehr Experten rechnen mit einem deutlich schwächeren Wirtschaftswachstum in Deutschland. Nach zahlreichen anderen Instituten senkten auch der Internationale Währungsfonds, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und der Bundesverband deutscher Banken ihre Prognosen.

Dunkle Wolken am Konjunkturhimmel

Der IWF erwartet für Deutschland 2009 keinen Anstieg der Wirtschaftsleistung mehr. In seinem in Washington veröffentlichten "Weltwirtschaftsausblick" sagen die Experten vielmehr eine Stagnation des Bruttoinlandsprodukts (BIP) voraus. Bislang waren sie von einem Plus von 1,0 Prozent ausgegangen. Für 2008 verringerte der Fonds die Erwartung von 2,0 auf 1,8 Prozent. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft noch um 2,5 Prozent gewachsen.

Angesichts der globalen Finanzmarktkrise geht der IWF auch weltweit von einer Abkühlung aus. Die meisten entwickelten Volkswirtschaften seien in oder nahe einer Rezession. Insgesamt sei die Situation sehr unsicher. Weiterhin bestünden beträchtliche Risiken, vor allem wenn die Finanzkrise sich stärker als erwartet auf die Realwirtschaft niederschlägt.

Auch das DIW nahm seine Erwartungen deutlich zurück. Statt 2,7 Prozent sei für 2008 nur noch mit einem BIP-Plus von 1,9 Prozent zu rechnen. Für 2009 senkten die Experten ihre Erwartung von bislang 1,2 auf 1,0 Prozent. Dennoch rechnen die Forscher nicht mit einer Rezession. "Es gibt keine Anzeichen für eine Rezession in Deutschland", sagte Konjunkturchef Christian Dreger.

Die konjunkturelle Eintrübung der vergangenen Monate ist nach Einschätzung des DIW vor allem auf das nahende Ende des Aufschwungs und im Wesentlichen nicht auf die internationale Finanzmarktkrise zurückzuführen. "Wir gehen davon aus, dass eine Eindämmung der Finanzkrise gelingt", sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann. Derzeit rechne das DIW nicht mit einem Überspringen der Finanzmarktkrise auf die Realwirtschaft.

Auch der Bundesverband deutscher Banken wird pessimistischer. Statt 1,0 Prozent werde nun nur noch mit einem BIP-Plus von 0,5 Prozent gerechnet. Die Erwartung eines Wachstums von 1,9 Prozent für dieses Jahr bekräftigte der Verband allerdings. Der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland habe "im Frühjahr dieses Jahres ein Ende gefunden", erklärte der Geschäftsführende Vorstand Manfred Weber.

Indes legte die Erzeugung im produzierenden Gewerbe Deutschlands im August vor allem wegen der guten Entwicklung im Bauhauptgewerbe zu. Wie das Bundeswirtschaftsministerium auf Basis vorläufiger Daten mitteilte, stieg die Produktion im Vergleich zum Juli preis- und saisonbereinigt um 3,4 Prozent. Bankvolkswirte hatten hingegen einen Rückgang um 0,4 Prozent vorhergesagt. Bereits am Dienstag hatte das Ministerium eine überraschende Zunahme der Auftragseingänge ausgewiesen.

ddp