Branchenspiegel: Sanierungen gewinnen an Bedeutung
Von Andreas Bücherl und Lothar Semper

Ausbaugewerbe noch gut beschäftigt
Baugewerbe: Die baukonjunkturelle Entwicklung zeigte sich bislang relativ unbeeindruckt von der gesamtwirtschaftlichen Abwärtsbewegung. Erst in jüngster Zeit hat der Ordereingang an Schwung verloren. Verantwortlich hierfür war in erster Linie der gewerbliche Bau. Die Unternehmen haben wegen der verschlechterten Konjunkturperspektive geplante Baumaßnahmen vorerst zurückgestellt. Der Wohnungsbau wird im Wesentlichen durch Sanierung und Modernisierung gestützt; mehr als 60 Prozent der Wohnungsbauinvestitionen fließen mittlerweile in den Gebäudebestand. Dagegen ist der private Wohnungsneubau als Folge des anhaltenden Genehmigungstiefs weiter rückläufig. So wurden 2008 nur noch 170.000 Wohnungen fertiggestellt, nach 189.000 im Jahr zuvor. Der öffentliche Bau befindet sich nach wie vor in einem stabilen Aufwärtstrend. Vor allem die Städte und Gemeinden nutzen die verbesserte Finanzlage, um längst überfällige Bauvorhaben nun zu realisieren.
Handwerk für gewerblichen Bedarf: Im Maschinen- und Werkzeugbau geht die ungewöhnlich lange Boomphase zu Ende. Der Auftragsrückgang hat sich in den letzten Monaten merklich beschleunigt. Die Auslandsnachfrage ist infolge der internationalen Finanzkrise und globalen Konjunkturabkühlung regelrecht eingeknickt. Aber auch die inländischen Investitionsgüterbestellungen waren zuletzt stark rückläufig. Die Branche zehrte aber noch von den vergleichsweise komfortablen Auftragsreserven, so dass sie beim angestrebten Wachstumsziel für 2008 kaum Abstriche machen musste. Entsprechend wurde die aktuelle Geschäftslage von rund 80 Prozent der handwerklichen Maschinenbauer immer noch als gut oder befriedigend eingestuft. Bei den Autozulieferern stellt sich die wirtschaftliche Lage aufgrund der Automarktkrise deutlich ungünstiger dar, zumal die Banken auch die Kreditkonditionen verschärft haben.
Kraftfahrzeuggewerbe: Auf dem Automarkt hat sich die Talfahrt im Schlussquartal rasant beschleunigt. Die Pkw-Neuzulassungen sind in diesem Zeitraum gegenüber dem Vorjahreswert um 11,0 Prozent gesunken. Die Kaufinteressenten hielten sich angesichts der Finanzkrise und der zunehmend düsteren Konjunkturaussichten mit einer Neuwagenbestellung zurück. Außerdem dürfte man noch abgewartet haben, in welcher Form die Bundesregierung den Autokauf fördern wird. Auf die Nachfrageflaute reagierten die Autohändler mit weiter steigenden Rabatten und Sonderkonditionen, so dass nach Verbandsangaben zwei Drittel von ihnen das Jahr 2008 mit Verlusten abschließen mussten. Im Gebrauchtwagenhandel war das Angebot weiterhin erheblich größer als die Nachfrage mit der Folge, dass die Verkaufspreise nach wie vor unter Druck stehen. Dagegen verlief das Servicegeschäft noch vergleichsweise zufriedenstellend. Allerdings bereitet den Werkstätten die Zunahme von Schwarzarbeit, „do it yourself“, und eine generelle Wartungsmüdigkeit einige Sorgen.
Lebensmittelhandwerke: Die Bäcker und Metzger verzeichneten im Berichtszeitraum eine saisonbedingte Nachfragebelebung. Vor allem das Weihnachtsgeschäft sorgte gegen Jahresende für anziehende Verkaufserlöse. Unabhängig von diesen kurzfristigen Einflüssen verlief die Absatzentwicklung eher in ruhigen Bahnen. Die beiden Branchen sind zwar als grundversorgende Gewerke vor größeren konjunkturbedingten Umsatzeinbrüchen weitgehend gefeit. Gleichwohl ist wegen der wieder gestiegenen Preissensibilität der Verbraucher damit zu rechnen, dass ein Teil der bisherigen Kundschaft seinen Einkauf beim Discounter tätigt. Auf der Kostenseite der Betriebe sorgen die deutlich gesunkenen Ölpreise allmählich für eine gewisse Entlastung. Andererseits sind aber die Stromtarife erneut gestiegen und die Gaspreise unverändert hoch.
Gewerbe für privaten Bedarf: In den Gesundheitsgewerken setzte sich die verhaltene Geschäftsentwicklung im 4. Quartal 2008 fort. Zwei Drittel der befragten Firmeninhaber bewerteten sie als insgesamt zufriedenstellend und gaben damit eine ähnliche Lagebeurteilung ab wie vor einem Jahr. Dies deutet darauf hin, dass die Umsätze wahrscheinlich nur leicht über dem entsprechenden Vorjahreswert lagen. Die Lage auf dem Friseurmarkt bleibt angespannt. Zum einen ist das Kundeninteresse an Friseurleistungen nach wie vor gedämpft. Zum anderen scheint der Konkurrenzdruck in der Branche zuzunehmen. In Ballungsräumen versuchen insbesondere Billigfriseure mit Dumpingpreisen Marktanteile zu gewinnen.