Nur wenige Wochen nach dem geplanten Börsengang der Deutschen Bahn im Herbst wird der Konzern die Fahrkartenpreise deutlich erhöhen.
Deutsche Bahn erhöht die Preise
Durchschnittlich 3,9 Prozent mehr sollen Einzelfahrscheine und Zeitkarten in der zweiten Klasse ab dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember mehr kosten, wie der Konzern ankündigte. Zur Begründung wies der Konzern auf die gestiegenen Energiekosten hin. Zusätzlich zum Ticketpreis sollen Kunden beim Fahrkartenkauf am Schalter künftig 2,50 Euro als sogenannten Bedienzuschlag zahlen.
"Wir können die Kombination aus explodierenden Energiepreisen und zweistellig gestiegenen Personalkosten infolge des jüngsten Tarifabschlusses allein durch Effizienzsteigerungen nicht mehr kompensieren", begründete der für den Personenverkehr zuständige Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch die Preiserhöhungen. So hätten sich beispielsweise die Preise für Strom und Diesel in den vergangenen zwölf Monaten um 50 beziehungsweise 80 Prozent erhöht. Zu den zu erwartenden Mehreinnahmen wollte er keine Angaben machen.
Eine einfache Fahrt zweiter Klasse im Intercity-Express (ICE) ohne Ermäßigungen von Hamburg nach Hannover wird sich den Angaben zufolge beispielsweise von von 39 auf 40 Euro und somit um 2,6 Prozent erhöhen. Der Preis für den gleichen Fahrschein von Frankfurt nach München steige von 85 auf 89 Euro und somit um 4,7 Prozent. Die Preise für die Bahncard erhöhten sich durchschnittlich um 3,6 Prozent. So koste beispielsweise die Bahncard 25 in der zweiten Klasse dann 57 statt 55 Euro.
Kunden – auch Bahncard-Inhaber – die ihr Ticket für den Fernverkehr künftig nicht am Automaten oder im Internet kaufen, sondern am Schalter, müssen ab 14. Dezember eine zusätzliche Gebühr von 2,50 Euro zahlen. Der "Bedienzuschlag" entfällt allerdings im Regionalverkehr, bei Verbundangeboten, Gruppen-Tickets, Abo- und Zeitkarten, beim Kauf einer Bahncard, bei Fahrradkarten und Kuriergepäck oder reinen Beratungen. Die Bahn begründet den Zuschlag damit, auf diese Weise den Erhalt der mehr als 400 Bahn-Reisezentren sichern zu wollen.
Zudem kündigte die Bahn an, ihren Service verbessern zu wollen. Um kürzere Wartezeiten in den Reisezentren zu ermöglichen, sollen Kunden künftig ähnlich wie auf Ämtern oder Behörden Nummern ziehen, um anschließend aufgerufen zu werden, wie Rausch erläuterte. Daneben will die Bahn künftig eine einheitliche Telefonnummer für Kundenanfragen einrichten. Unter 01805/996633 sollen künftig sämtliche Anfragen zu allen Themen für 14 Cent pro Minute bearbeitet werden. Außerdem soll der Internetauftritt unter bahn.de neu gestaltet werden.
Die Anhebung der Preise hatte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bereits bei der Vorlage der Halbjahresbilanz in der vergangenen Woche angekündigt, allerdings keine Details genannt. Während die Pläne bei Oppositionspolitikern und Verbraucherschützern auf Kritik gestoßen waren, hatte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) das Vorhaben verteidigt. Zuletzt hatte die Bahn die Preise am 9. Dezember vergangenen Jahres um durchschnittlich 2,9 Prozent angehoben und davor zu Beginn 2007 um ebenfalls 2,9 Prozent.
Einen offiziellen Termin für den geplanten Börsengang der Bahn-Tochter DB Mobility Logistics im Herbst gibt es noch nicht. In den Medien wurde allerdings bereits über den 27. Oktober und den 3. November spekuliert.
ddp