Der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen drei Jahre ist offenbar auch in seiner Spätphase an vielen Privathaushalten vorbeigegangen. Die meisten Beschäftigen, Rentner und Sozialleistungsempfänger hätten nicht von der guten Konjunktur profitieren können.
Aufschwung geht an Deutschen vorbei
In ihrer Studie "Wer profitierte vom Aufschwung?" stellte die Hans-Böckler-Stiftung fest, dass die realen Nettolöhne der Beschäftigten sogar um 3,5 Prozent gesunken sind. Unternehmen und Aktionäre hätten ihre Gewinne hingegen stark steigern können.
Die Reallohnverluste in einer Phase wirtschaftlichen Aufschwungs seien neu, hieß es weiter. In der vorangegangenen Aufschwungphase zwischen 1998 und 2001 seien die realen Nettolöhne pro Kopf noch um vier Prozent gestiegen. Auch die staatlichen Transfers an die Privathaushalte, darunter die Renten, hätten sich damals um vier Prozent erhöht. Nun seien sie hingegen preisbereinigt um sieben Prozent gesunken.
"Es ist nicht nur ein mehrheitliches Gefühl der Bevölkerung, dass sie vom Aufschwung nicht profitiert. Es ist Realität. Trotz eines gut dreijährigen Konjunkturaufschwungs ist die reale Einkommenssituation vieler Haushalte heute schlechter als zuvor", heißt es in der Studie. Dazu hätten neben verhaltener Lohnentwicklung und geringeren Transfers auch die Mehrwertsteuererhöhung beigetragen.
Profitieren konnten allerdings zahlreiche ehemals Erwerbslose, hieß es weiter. So sei die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum vergangenen Aufschwung deutlich stärker gesunken. Und auch die Zahl der ungefördert sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sei stärker gestiegen als um die Jahrtausendwende.
Auch vielen Selbstständigen, Aktienbesitzern und Unternehmen sei der Aufschwung zugute gekommen. Die Gewinne der Unternehmen seien "geradezu explodiert", schreiben die Forscher. Die nominalen Bruttogewinne seien in diesem Aufschwung um 25 Prozent gewachsen. Im vorherigen Wachstumszyklus seien es fünf Prozent gewesen.
ddp