DHZ-Gespräch mit Uwe Fröhlich: Unternehmen müssen nicht fürchten, alleingelassen zu werden
Interview: Karin Birk
„Ich kann keine Kreditklemme feststellen“
DHZ: Umfragen zufolge werden Kreditinstitute künftig restriktiver bei der Vergabe von Krediten sein. Gilt das auch für Volks- und Raiffeisenbanken?
Fröhlich: Eine Kreditklemme für den Mittelstand oder eine sinkende Kreditvergabebereitschaft kann ich bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken in Deutschland nicht feststellen. Im Gegenteil: Das Wachstum der Kredite an inländische Nichtbanken in Deutschland befindet sich nach den jüngsten Zahlen auf dem höchsten Niveau seit sieben Jahren.
DHZ: Angeschlagenen Unternehmen nur vorsichtig Geld zu geben, ist nachvollziehbar. Müssen auch gesunde Unternehmen fürchten, von Kreditinstituten alleingelassen zu werden?
Fröhlich: Volksbanken und Raiffeisenbanken stehen bereit, mehr Kredite auszugeben und neue Kunden zu gewinnen. Das Kreditwachstum ist höher und die Zinsen sind niedriger als vor der Finanzkrise. Gesunde Unternehmen müssen also nicht fürchten, alleingelassen zu werden. Allerdings spüren zunehmend auch kleinere Mittelständler die Wirtschaftsflaute. Wir rechnen im Moment daher nicht mit einer steigenden Kreditnachfrage, da die Unternehmen weniger investieren.
DHZ: In welcher Größenordung werden Unternehmen durch die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) entlastet?
Fröhlich: Die Zinssenkungen der EZB werden von den Banken zügig an die Unternehmen weitergegeben. Alleine im Oktober und November gingen die Kreditzinsen zwischen einem halben und einem Dreiviertelprozentpunkt zurück. Dadurch waren die Kreditzinsen schon im November niedriger als vor dem Beginn der Finanzkrise.
DHZ: Für eine bessere Finanzierung des Mittelstandes hat die Bundesregierung ihre Mittelstandsprogramme über die KfW ausgeweitet und ein Kredit- und Bürgschaftsprogramm über 100 Milliarden Euro beschlossen. Wie hilft dies bei der Finanzierung von Unternehmen?
Fröhlich: Die Ausweitung der Förderung bietet wichtige Impulse zur Belebung der sich abschwächenden Konjunktur. Die Bereitstellung einer KfW-Haftungsfreistellung von bis zu 90 Prozent bei Investitionsdarlehen und 50 Prozent bei Betriebsmittelkrediten erleichtert die Kreditvergabe an Unternehmen.
DHZ: Um weitere Verwerfungen an den Finanzmärkten zu vermeiden und die Kreditvergabe zu stabilisieren, ist der Staat vor kurzem mit 25 Prozent und einer Stimme direkt bei der Commerzbank eingestiegen. Warum sehen Sie diesen Schritt mit gemischten Gefühlen?
Fröhlich: Angesichts der Nervosität der Finanzmärkte bleibt dem Bund keine andere Wahl, als nochmals Hilfen für die Commerzbank vorzusehen. Es wäre aber ein gravierender Fehler, wenn der Commerzbank jetzt auch noch Auflagen zum Ausbau des klassischen Mittelstandgeschäfts gemacht würden. Das würde gerade gesunde Kreditinstitute wie die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Wettbewerb zusätzlich belasten. Insgesamt zeigt die neue Stützung der Commerzbank durch die öffentliche Hand, dass die Commerzbank die Risiken durch die Übernahme der Dresdner Bank unterschätzt hat.
DHZ: Der Einstieg bei der Commerzbank für 18 Milliarden Euro, ein zweites Konjunkturpaket für 50 Milliarden Euro, die Diskussion um eine staatliche „Bad Bank“, die zumindest kurzfristig Altlasten der Banken übernimmt. Drohen die staatlichen Rettungsaktionen aus dem Ruder zu laufen?
Fröhlich: Nein, die Bundesregierung hat bislang besonnen gehandelt. Zwei Dinge sind entscheidend: Zum einen darf die Erhöhung der Staatsausgaben nicht zu einer Abkehr vom Ziel eines mittelfristigen Haushaltsausgleichs verleiten, zum anderen darf sich der Staat nicht direkt in den Kreditvergabeprozess begeben, der Staat ist kein Banker.
