Deutschland könnte in den kommenden Jahren verstärkt Arbeitskräfte aus dem Ausland rekrutieren. Das deutsche Handwerk will in Zukunft auch Auszubildende aus Polen und Tschechien anwerben, um den Mangel zu bewältigen.
Handwerk wirbt um Azubis aus Polen
Die Bundesregierung will Medienberichten zufolge den Zuzug von hochqualifizierten Ausländern erheblich erleichtern. Auf Maßnahmen für eine gezielte Zuwanderung hätten sich Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) bereits verständigt, berichten "Der Spiegel" und die "Berliner Zeitung".
Ein Sprecher des Arbeitsministeriums wollte die Berichte über ein Programm zur gezielten Zuwanderung weder bestätigen noch dementieren. Man sei in der Schlussabstimmung eines entsprechenden Gesamtkonzeptes, sagte er den ddp/Dow Jones Wirtschaftsnachrichten.
Dem "Spiegel" zufolge soll der "Arbeitsmarkt für alle Akademiker" aus Drittstaaten geöffnet werden. Das Programm sehe beispielsweise vor, dass geduldete Hochschulabsolventen und Facharbeiter bereits dann eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten sollen, wenn sie zwei Jahre in Deutschland in einem ihrer Ausbildung entsprechenden Beruf gearbeitet haben. Die Bundesregierung wolle zudem die Mindesteinkommensgrenze, ab der ausländische Akademiker sich nicht mehr einer speziellen Prüfung durch die Bundesagentur für Arbeit unterziehen müssen, von bislang 86.400 Euro auf 63.600 Euro senken.
Der "Berliner Zeitung" zufolge soll durch die Befragung von Unternehmen ein sogenannter Arbeitskräftebedarfsindex ermittelt werden. Grundsätzlich solle möglichst präzise festgestellt werden, wie sich der demografische Wandel auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt niederschlägt.
Einheimische Bewerber nehmen ab
Das deutsche Handwerk will indes künftig auch ausländische Lehrlinge ausbilden. Der Zahl der einheimischen Bewerber nimmt so stark ab, dass viele Betriebe nur noch durch die Anwerbung von Ausländern ihre Existenz sichern können, sagte der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hanns-Eberhard Schleyer, der "Wirtschaftswoche". "Im Osten ist die Situation dramatisch. Hier halbiert sich die Zahl der jugendlichen Bewerber bis 2011", warnte Schleyer. Viele Betriebe schlügen Alarm, da sie ihre Stellen nicht mehr besetzen könnten. Langfristig könne das existenzgefährdend sein. "In Brandenburg oder Sachsen schielen unsere Betriebe längst nach Osten", erläuterte Schleyer.
Unterdessen verschärft sich offenbar der Fachkräftemangel. Der Mangel an Ingenieuren erreichte im Juni einen Rekordwert, wie das Magazin "Focus" unter Berufung auf den Verein Deutscher Ingenieure (VDI) berichtet. Danach waren im Juni 96.200 Stellen unbesetzt, 730 weniger als im Jahr zuvor. Gleichzeitig sank die Zahl der arbeitslosen Ingenieure um 2.600 auf 20.900.
ddp